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Coronakrise: Warum in Schweden auch nicht alles rosa ist

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Written by BSF

Der „schwedische Weg“ wird von vielen Demonstranten gegen Corona-Maßnahmen als der „goldene Weg“ bezeichnet. „So hätte man es machen müssen“ ist oft zu hören, doch ist das überhaupt so?

22.317 Infektionen und 2.679 Covid-19-Tote

Die Johns Hopkins Uninversität weist am Morgen des 4.Mai für Schweden bislang kumuliert 22.317 nachgewiesene Infektionen mit dem Coronavirus nach und dabei 2.679 Tote mit Covid-19. Damit liegt die Sterblichkeit in Schweden rund dreimal höher als in Deutschland.

Die reine Anzahl an Infektionen ist – gemessen an der Bevölkerung – vergleichbar mit deutschen Verhältnissen. Nur: In Deutschland wären und sind weniger Menschen aus der Gruppe der Infizierten gestorben.

Hilfspakete auch in Schweden

Auch wenn die Gastronomie in Schweden (unter Einschränkungen) offen hat und keine Masken getragen werden müssen, gibt es doch starke Wirtschaftseinbrüche in Schweden. Auch in Schweden musste man deshalb Hilfspakete in finanzieller Form schnüren, um das abzumildern. Rund 13 Milliarden Euro hat man bislang dafür ausgegeben und dennoch bricht die Wirtschaft in Schweden ein. Schweden erlebt einen Wirtschafts-Zusammenbruch wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Minus 7% bei der Wirtschaft

Statt eines Wirtschaftswachstums wird die Wirtschaft in Schweden nach jüngsten Berechnungen um ca. 7% dieses Jahr einbrechen – wenn es nicht noch schlimmer wird, errechnen schwedische Ökonomen. Die schwedische Finanzministerin selbst geht sogar von -4% bis -10% dieses Jahr aus. Die optimistischer Zahl allerdings nur dann, wenn die Krise schnell überwunden wird, – was aktuell eher nicht so aussieht.

Viele Schweden sind arbeitslos geworden

In Schweden ist die Arbeitslosenquote jetzt schon bei 6,7%, die schwedische Regierung geht – auch nach IWF-Berechnungen – von einem Anstieg dieses Jahr auf 10% aus. In Deutschland liegt man mit rund 3,8% deutlich darunter und hat mit der Kurzarbeiterregelung eine große Entlassungswelle verhindern können.

Auch in Schweden sind Versammlungen verboten

Auch in Schweden sind Versammlungen verboten. Zwar erst ab 50 Personen, aber sie sind auch verboten. Das vergessen manche Demonstranten gerne, die sich in Deutschland gerne in größeren Gruppen versammeln und für das schwedische Modell votieren. Das schwedische Versammlungsverbot führt auch dazu, dass große Messen nicht erlaubt sind, Diskotheken nicht öffnen können und auch beliebte Bars (die von mehr als 50 Personen frequentiert werden) nicht öffnen. Getanzt wird auch in Schweden nicht. Höchstens allein.

Insolvenzen in Schweden nehmen auch zu

Auch wenn die Menschen in Schweden „freiwillig“ weniger in Restaurants gehen, führt dies zu Insolvenzen. Die Anzahl der Insolvenzen im schwedischen Einzelhandel und Gastronomie nahm deutlich zu. Auch in schwedischen Restaurants gilt ein Abstandsgebot, was dazu führt, dass viele nur noch weniger als halb so hohe Umsätze erzielen – bei gleicher Miete und Kostenstruktur.

Pflegeheime sind unzureichend geschützt in Schweden

Man man in Deutschland monieren, dass manche Pflegeheime zu spät Maßnahmen ergriffen haben oder Schutzausrüstung nicht in ausreichendem Maße selber bevorratet hat, aber in Schweden sieht die Lage noch viel schlimmer aus. Es fehlt allerorten an Schutzausrüstung in den Pflegeheimen und manchmal auch an Einsicht. Der freiheitliche Umgang mit der Coronakrise führt auch zu leichtsinnigem Verhalten in den Pflegeheimen. Daher kommt in Schweden bereits rund ein Drittel der Todesfälle aus solchen Heimen, wo einer den anderen ansteckt.

Stay at home auch in Schweden

Auch die schwedische Regierung appelliert an die Bevölkerung, dass man möglichst zu Hause bleiben soll. Man soll unnötige Reisen ebenso vermeiden wie soziale Kontakte. Dies wird auch vom Epidemologen des Staates, Anders Tegnell so gefordert. Die Menge derer, die sich nicht daran halten, sorgt für die höhere Sterberate in Schweden.

Schwedischer Weg: Junge Menschen töten Alte

Diejenigen, die sich nicht an die Empfehlung halten, sind oft junge Menschen, die wissen, dass sie an einer Erkrankung voraussichtlich nicht sterben. Sie übertragen aber dennoch das Virus auf Menschen, die älter sind oder Vorerkrankungen haben. Damit töten in Schweden junge Menschen alte Menschen. Wer das Modell in Deutschland auch haben möchte, muss auch diese Wahrheit aussprechen.

Schweden schließt auch Geschäfte und Restaurants

In Schweden ist auch nicht alles rosa und jeder kann machen, was er will: Auch Schweden hat schon Restaurants geschlossen, weil in diesen gegen die Abstandsregeln verstoßen wurde.

Menschen über 70 sollen zuhause bleiben

Menschen über 70 empfiehlt man in Schweden, das Haus nicht mehr zu verlassen und treibt sie in die Isolation. Damit junge Menschen weiter feiern können. Verboten sind mittlerweile auch Besuche in Altersheimen.

Verstorbene pro 1 Million Einwohner

Nimmt man die Anzahl der Verstorbenen pro eine Millionen Einwohner, nimmt Schweden mit ca. 200 eine deutlich schlechtere Position als viele andere Staaten ein:

  • Dreimal schlechter als Deutschland
  • Dreimal schlechter als Dänemark
  • 30% schlechter als in USA

Wie man eine Politik als vorbildlich bezeichnen kann, die für noch mehr Tote in der Bevölkerung sorgt als im desolat organisierten Amerika, erschließt sich dem neutralen Betrachter nur schwer.

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