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Deutschland: Sind Ausländer wirklich krimineller?

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Written by BSF

Während der Pressekonferenz mit Innenminister Seehofer wurde davon gesprochen, dass Ausländer krimineller sind als Deutsche, doch stimmt dies wirklich?

Der Versuch einer Betrachtung der Wirklichkeit…:

In Deutschland leben nach einer Statistik des Bundesamts für Statistik per Ende 2018 rund 83,0 Millionen Menschen, was übrigens rund 227.000 mehr als noch ein Jahr zuvor sind. Der Bevölkerungsanstieg ist vor allen Dingen darauf zurückzuführen, dass rund 386.000 Personen mehr zugewandert als ausgewandert sind. Zudem starben 167.000 mehr Menschen als geboren worden sind.

Ausländeranteil in Deutschland ist 12,2%

Der Ausländeranteil in Deutschland ist 12,2% per 31.12.2018 und etwas höher als noch Ende 2017, wo dieser bei 11,7% lag. In Deutschland lebten Ende 2018 rund 72,9 Millionen Deutsche und 10,1 Millionen ausländische Staatsbürger. Bemerkenswert ist übrigens, dass die Statistiken, mit denen deutsche Politiker arbeiten, teilweise andere Zahlen aufweisen: So weist das sogenannten Ausländerzentralregister 10,9 statt 10,1 Millionen Ausländer auf. Der Unterschied dürfte sich dadurch erklären, dass das Ausländerzentralregister falsche Zahlen aus der Vergangenheit fortschreibt und in 2011 nach einem Bevölkerungszensus nicht korrigiert wurde.

Tatverdächtige müssen keine Täter sein

Die meisten Statistiken zur Ausländerkriminalität basieren auf der Staatsangehörigkeit der Tatverdächtigen, die bei der Polizei geführt werden. Tatverdächtig muss nicht immer eine spätere Verurteilung wegen dieser Tat zur Folge haben. So manch Tatverdächtiger wird auch zu Unrecht verdächtigt. Dies trifft theoretisch deutsche wie ausländische Tatverdächtige gleich, – in der Praxis hat sich aber gezeigt, dass Ausländer statistisch häufiger verdächtigt werden.

34,5% ausländische Tatverdächtige in 2018

Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für Deutschland in 2018 708.380 nicht deutsche Tatverdächtige auf, was rund 34,5% der gesamten Tatverdächtigen sind. Wenn Ausländer genauso kriminell wie Deutsche wären, müsste der Prozentsatz 12,2% sein – sollte man denken. Hiermit tut man den Ausländern aber Unrecht: Denn in der Summe sind auch Delikte enthalten, die nur einwandernde Ausländer begehen können, z.B. das Nutzen falscher Identitätspapiere zur Einreise oder Verstösse gegen das Aufenthaltsgesetz. Aber auch nach Bereinigung um diese Straftaten ist der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen bei 30,5%, also rund 2,5x so hoch wie er statistisch sein dürfte.

Ausländerkriminalität nach Straftatgruppen

Interessant ist die Aufstellung nach verschiedenen Arten an Straftaten:

Straftat-BezeichnungAusländeranteil an
Tatverdächtigen
Ausländeranteil in Bevölk.
Gesamtkriminalität34,5%12,2%
Kriminalität ohne Ausländer – Straftatbestände30,5%12,2%
Gewaltkriminalität38,6%12,2%
Mord und Totschlag43,0%12,2%
Raub40,6%12,2%
Vergewaltigung / sexuelle Nötigung38,5%12,2%
Schwere Körperverletzung38,4%12,2%
Diebstahl von Fahrzeugen40,5%12,2%
Einbrüche (Wohnungen)39%12,2%
Betrug34,3%12,2%
Leistungserschleichung
(Schwarzfahren u.a.)
45,6%12,2%
Drogenkriminalität43,6%12,2%
Sexueller Missbrauch von Kindern19,1%12,2%
Diebstahl generell38,5%12,2%
Taschendiebstahl71,3%12,2%
Korruption,Amts- u.
Wettbewerbsdelikte
4,6%12,2%

Statistikverzerrungen

Die Statistik wird u.a. dadurch verzerrt, dass gerade mit den Flüchtlingswellen in den letzten Jahren schwerpunktmäßig junge Männer zugewandert sind, die nationalitätsübergreifend eine statistisch stärker straftatbelastete Gruppe sind.

Die Statistik kann natürlich auch nur den sogenannten „Hellbereich“ abbilden, d.h. die Straftaten, die angezeigt worden sind oder aktenkundig wurden.

Problematisch sind auch bei dem Vergleich die Straftaten, die von Ausländern begangen werden, die gar nicht in Deutschland wohnen, sondern nur zur Begehung von Straftaten einreisen. In grenznahen Bereichen wie Freiburg reisen regelmäßig Straftäter aus Frankreich ein, die nur für eine Nacht in Deutschland sind, um hier Straftaten zu begehen und dann wieder nach Frankreich zurückzukehren. Ähnliches gibt es auch an anderen deutschen Grenzgebieten. Diese Straftäter verzerren ebenso die Statistik.

Nicht-deutsche sind eine Bereicherung

Menschen mit Migrationshintergrund sind in der überwiegenden Anzahl eine Bereicherung für Deutschland, was auch über den gastronomischen Bereich hinausgeht. Viele dieser Menschen sind fleißig, arbeiten und zahlen in die Sozialsysteme ein. Sie bereichern das Leben in Deutschland. Zur Finanzierung der Rentenversicherung ist eine Zuwanderung junger Menschen nach Deutschland überdies erfreulich und wichtig. Das gilt für den weit überwiegenden Teil der Menschen, die über kurz oder lang in bestehende Systeme auch einzahlen.

Nichtsdestotrotz müssen obige Zahlen bei allen Verzerrungen und statistischen Besonderheiten zum Nachdenken anregen. Vor allen Dingen darüber, wie man das verhindern kann. Probleme kann man nur lösen, wenn man sie benennt. Aufgaben kann man nur angehen, wenn man sie kennt. Totschweigen ist keine Lösung.

Umkehrschluss ist falsch

Der häufig von Vereinfachern gemachte Umkehrschluss: Wenn ein Ausländer eine Straftat begangen hat, sind alle Ausländer Straftäter, ist so falsch wie etwas nur falsch sein kann. Wenn von 10,1 Millionen Ausländern in Deutschland „nur“ rund 700.000 Tatverdächtige geführt werden, heißt dies immer noch, dass mehr als 90% der Ausländer nicht zu den Tatverdächtigen im Betrachtungszeitraum gehören. Die weit überwiegende Mehrheit. Viele Vereinfacher berücksichtigen das nicht.

Quelle: Kriminalstatistik PKS Bundeskriminalamt 2018 Vers. 2.0

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