Freiburg

Freiburg: Der Anwalt, der unvorsichtig agierte: Haid-Mord

Haid Mord Polizei
Written by BSF

Im Rahmen des Prozesses rund um den Haid-Mord in Freiburg, bei dem ein junger Drogendealer mit zwei Kopfschüssen erschossen wurde, kommen immer mehr Details ans Tageslicht. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft soll ein Strafverteidiger aus Freiburg, der auf der Kaiser-Joseph-Straße seine Kanzlei hatte, den Auftrag zu dem Mord an einen Koch aus einer benachbarten Kneipe vergeben haben. Dieser soll dann dem im Marihuana-Handel eingebundenen Drogendealer Niklas E. erschossen haben. Fragen kann man den Anwalt dazu aber nicht mehr. Er wurde in seiner Zelle in der JVA Offenburg tot aufgefunden.

Einsamer Anwalt

Der Anwalt sei eher einsam gewesen, saß auch an Heiligabend schon mal in der Kneipe, in der der spätere mutmaßliche Mörder als Koch beschäftigt war. Der vorbestrafte Koch hatte dort nach Ausflügen ins Rotlicht-Milieu angeheuert.

Mitarbeiter der Kanzlei mussten Geld zählen

Niklas E., das Opfer war sein Mandant, den er eigentlich verteidigen sollte. Dieser soll ihm einen sechsstelligen Betrag zur Verwahrung übergeben haben, der vermutlich aus Drogengeschäften stammte. Der Anwalt ließ das Geld durch die Mitarbeiter der Kanzlei zählen und versteckte es erst im Keller der Kanzleiräume. Später wurde das Geld im Haus seines Vaters versteckt, der das Versteck per Handykamera dokumentierte, was es für die Ermittler nicht so richtig schwierig machte, es herauszufinden. Es war in der Küche versteckt.

Anwalt mit Faible für Waffen

Der Anwalt, der nach außen eher als schüchterner Biedermann galt, soll überdies Räumlichkeiten an das Rotlichtmilieu vermietet haben. Bei einer Durchsuchung solcher Räumlichkeiten fand die Polizei u.a. Waffen und Geld. Unter Vorwand, dass sein Mandant im Gewerbegebiet eine Waffe kaufen könne („für einen Freund“), lockte er Niklas E. nachts in die Haid, wo der Koch, den er aus der Kneipe kannte, dann mit einer vom Anwalt zur Verfügung gestellten Waffe das Opfer erschoss. In der Aussicht dafür 50.000 Euro „Mordlohn“ zu erhalten. Das Geld schient tatsächlich auch geflossen zu sein, denn der Koch löste kurz nach der Tat Schulden ab, kaufte ein Auto und ein Handy – obwohl er eigentlich in Privatinsolvenz war.

Niklas E. hatte viele Freunde

Der ermordete Drogendealer hatte allerdings viele Freunde – im Rieselfeld, im Weingarten und anderswo. Nach seiner Ermordnung erschienen viele von Ihnen an der Tötungsstelle im Gewerbegebiet Haid und legten Blumen und Bilder an der Stelle ab. Einer der Freunde war der Polizei bei den Ermittlungen allerdings besonders nützlich: Er informierte nämlich die Polizei darüber, dass das Opfer Niklas seinem Anwalt einen größeren Betrag zur Verwahrung übergeben habe. Dies möge die Polizei doch in ihre Überlegungen bei der Suche nach dem Mörder einbeziehen. Die Ermittler überwachten mit diversen Methoden anschließend den Anwalt besonders und stellten schnell auch seine Verbindung zum Koch fest. Nur wenige Wochen nach der Tat konnte der Anwalt festgenommen werden und wenige Tage später auch der Koch. Gelöschte Handy- und Computerdaten konnten rekonstruiert werden.

Blumen an der Tötungsstelle in Freiburg Haid
Freunde des Opfers stellten an der Tötungsstelle in der Haid Blumen und Bilder auf

Wollte der Anwalt den Schützen zum Schweigen bringen?

Die Tatsache, dass der Koch nach seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt hatte, konnte der Anwalt auch im Gefängnis in der Zeitung lesen. Mitgefangene berichteten später, dass der Anwalt in der JVA versucht habe, über Beziehungen anderer Gefangener Einfluss auf den Koch zu nehmen. Tatsächlich wurde auch die Lebensgefährtin des Kochs in Freiburg auf offener Straße drangsaliert. Auch bei den Behörden blieb die möglicherweise versuchte Einflussnahme nicht unentdeckt. Man wollte daher den Anwalt in ein weiter entfernt gelegenes Gefängnis verlegen lassen. Sein Tod kam jedoch der Verlegung zuvor. Die Auffindesituation der Leiche sprach für Selbstmord in der Zelle. Ob aus eigenem Antrieb oder auf nachdrücklichen Wunsch seiner Mitinsassen wird wohl nie geklärt werden.

Wie kam Niklas E. zu so einer großen Summe Bargeld?

Der Drogenhändler Niklas E. soll dem Anwalt eine Bargeldsumme von über 100.000 Euro übergeben haben – zur Verwahrung. Doch wie kommt er an eine solche Summe Geld? Geht es nach den Aussagen des Anwalts, so habe Niklas E. in großem Stil mit Drogen, vor allen Dingen mit Marihuana gehandelt. Von einem Zentner pro Monat war die Rede. Der Polizei war er bis dahin eher als Kleindealer bekannt. Seine Familie verfolgt den Prozess aufmerksam.

Ist der Prozess rund um den Haid-Mord öffentlich?

Ja. Solange es freie Plätze im Landgericht gibt, kann man den Prozess auch von den Publikumsplätzen im Landgericht Freiburg verfolgen. Der nächste Termin ist für Mitte März (16.3.2020) dort angesetzt.

About the author

BSF

Leave a Comment