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Arzt bei Fettleber-Vortrag in Berlin erstochen

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Written by BSF

Fritz von Weizsäcker wollte eigentlich in der Berliner Privatklinik gestern Abend nur einen Vortrag rund um die Fettleber halten, als während seines Redebeitrags ein Mann im Zuschauerbereich aufstand und ihn mit einem Messer erstach.

Auch Polizist schwer verletzt

Ein zufällig im Raum befindlicher Polizist, der in seiner Freizeit an dem Vortragsabend teilnahm, wollte noch helfen, wurde aber vom Täter schwer verletzt. Fritz von Weizsäcker verstarb trotz Reanimitationsversuchen aufgrund der Schwere der Verletzungen, der schwer verletzte Helfer wurde in eine andere Klinik eingeliefert.

Weitere Männer aus dem Saal konnten den Täter schließlich überwältigen und bis zum Eintreffen der Polizei festhalten, – er wurde in Polizeigewahrsam genommen und noch in der Nacht vernommen.

Bis zum frühen Morgen war die Identität des Täters noch nicht bekannt – auch das Motiv lag noch im Dunkeln.

Tatort: Schlosspark-Klinik

Die Tat ereignete sich in der privaten Berliner Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg. Der Tagungsraum war in Räumen der Abteilung für Psychiatrie. Die Tat ereignete sich um 18:59 Uhr am gestrigen Abend (19.11.2019). Im Raum waren ca. 15-20 Zuhörer.

Fritz von Weizsäcker

Der erstochene Mediziner war Chefarzt an dieser Klinik und der Sohn des Ex-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker (1920-1915) und seiner Frau Marianne von Weizsäcker. Die Fettleber galt als eines seiner Spezialgebiete. Seit 2005 war Fritz von Weizsäcker an der Klinik Chefarzt für Innere Medizin an der Klinik, vorher war er u.a. in Freiburg (Uniklinik: 1987-1990, 1994-2005) und Zürich. Professor Fritz von Weizsäcker wurde nur 59 Jahre alt.

Täteridentität

Über den Täter hat die Polizei bis zum frühen Mittwochmorgen noch keine näheren Angaben gemacht. Gemäß Zeugenaussagen handelt es sich um einen Mann über 40 mit lichtem Haar oder Glatze, der in Trainingshose, Sportschuhen, T-Shirt und Daunenjacke dem Vortrag gelauscht hatte.

Update 20.11.2019, 09:19 Uhr

Die Polizei gab bekannt, dass es sich bei dem Täter um einen 57-jährigen Mann handele, der im Laufe des Mittwochs dem Haftrichter vorgeführt wird. Die Ermittlungen zum Tathintergrund dauern noch an. Der Mann sei vorher nicht polizeibekannt gewesen. Die Polizei bestätigte überdies, war aufgrund von Zeugenaussagen ohnehin bekannt war: Die Tatwaffe sei ein Messer gewesen.

Täter: Deutscher aus Rheinland-Pfalz

Update vom 20.11.2019, 14 Uhr: Bei dem Täter soll es sich um einen 57-jährigen Deutschen aus Rheinland-Pfalz handeln, dessen Wohnung zwischenzeitlich durchsucht worden ist. Der Täter war KEIN Patient der Klinik, in der Prof.Dr.med Weizsäcker arbeitete. Er soll am Mittwoch Nachmittag auch einem Psychiater vorgeführt werden. Davon wird es abhängig sein, ob Untersuchungshaft oder Maßregelvollzug angeordnet wird.

Täter kommt in Psychiatrie

Update vom 20.11.2019, 20:17 Uhr: Der Täter wird nach einem Antrag der Staatsanwaltschaft in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Am Dienstag hatte er in seiner Heimat in Rheinland-Pfalz ein Messer gekauft und war mit dem Zug nach Berlin zur Veranstaltung Weizsäckers gefahren, die er im Internet ausfindig gemacht hatte. Der Täter habe – nach ersten Untersuchungen – wahrscheinlich eine wahnbedingte Abneigung gegen die Familie von Weizsäcker, was ihn zur Tat veranlasst haben könnte. Medienberichten zufolge komme der Täter aus dem Raum Andernach – aus einer sehr kleinen Ortschaft.

Vater Weizsäcker sei schuld

Der Täter soll bei der Vernehmung angegeben haben, dass der Vater des Getöteten, Richard von Weizsäcker früher bei einem Chemiekonzern gearbeitet hatte, der Bestandteile für Chemiewaffen hergestellt habe, die im Vietnamkrieg eingesetzt worden waren. In den 60er-Jahren hätte Richard von Weizsäcker beim Konzern Boehringer Ingelheim als Geschäftsführer dafür die Verantwortung gehabt. Was der Sohn Richard von Weizsäckers, der Getötete Fritz von Weizsäcker allerdings damit zu tun habe, konnte der Täter nicht schlüssig darlegen.

Stimmt das überhaupt?

Tatsächlich hat der Vater des Getöteten von 1962 bis 1966 in der Geschäftsleitung von Boehringer Ingelheim gearbeitet. Tatsächlich hat Boehringer auch Zutaten für Chemiewaffen in die USA geliefert. Firmeninterne Vermerke bei Boehringer, aus denen ersichtlich ist, dass wegen des Vietnamkriegs wohl nicht mit Absatzschwierigkeiten zu rechnen sei, deuten darauf hin, dass dem deutschen liefernden Konzern nicht völlig unklar war, wofür amerikanische Firmen die Substanzen in Deutschland kauften. Richard von Weizsäcker selber hat eine positive Kenntnis dieser Zusammenhänge später bestritten. Eingesetzt wurden die von Boehringer gelieferten Grundsubstanzen vor allen Dingen im Entlaubungsmittel ‚Agent Orange‘, welches im Vietnamkrieg eingesetzt wurde. Massive Einsätze dieses Mittels wurden in Vietnam aber vor allen Dingen 1967 und 1968 verzeichnet, – also nachdem Richard von Weizsäcker das Chemieunternehmen im Jahr 1966 verlassen hatte.

Der getötete Fritz von Weizsäcker war 1966 sechs Jahre alt. Warum der joggingbehoste Täter dann glaubt, ihn mehr als 50 Jahre später erstechen zu müssen, lässt sich mit einem gesunden Hirn nur schwer nachvollziehen.

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