St. Josefskrankenhaus Freiburg

Einleitung: Das St. Josefskrankenhaus – Ein Pfeiler der Freiburger Gesundheitsversorgung

Das St. Josefskrankenhaus Freiburg ist seit über 130 Jahren eine zentrale Institution der Gesundheitsversorgung in Freiburg im Breisgau. Im Volksmund als „Stadtkrankenhaus“ bekannt, hat es sich von seiner Gründung durch einen kirchlichen Orden zu einem modernen medizinischen Leistungszentrum entwickelt, das heute als akademisches Lehrkrankenhaus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg dient.1 Die Geschichte des Krankenhauses ist geprägt von kontinuierlicher Anpassung an medizinische Fortschritte und gesellschaftliche Bedürfnisse, von Widerstandsfähigkeit nach Zerstörung, baulichen Erweiterungen und bedeutenden Trägerschaftswechseln, die seine Rolle und sein Leistungsangebot stetig geformt haben.

Diese Entwicklung umfasst die Gründung im 19. Jahrhundert durch einen Orden, Phasen des Wachstums und der Spezialisierung, die Zerstörung und den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, die organisatorische Bündelung im Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser (RKK) und den jüngsten Übergang in die private Trägerschaft der Artemed Gruppe.

1. Die Gründung und die prägenden Jahre (1886-1944)

1.1 Gründung durch die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul

Das St. Josefskrankenhaus Freiburg wurde im Februar 1886 von den Ordensschwestern des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul ins Leben gerufen. Bei seiner Eröffnung verfügte es zunächst über eine chirurgische Privatklinik sowie eine Abteilung für Gynäkologie mit Geburtshilfe.2 Diese Gründung durch einen kirchlichen Orden ist ein deutliches Zeugnis der damaligen gesellschaftlichen Strukturen, in denen religiöse Gemeinschaften eine führende Rolle in der karitativen und medizinischen Versorgung innehatten. Dies erfolgte oft lange bevor der Staat eine umfassende Daseinsvorsorge etablierte. Die ursprüngliche Ausrichtung auf Chirurgie und Geburtshilfe war für die damalige Zeit von großer Bedeutung und unterstreicht die frühe Fokussierung auf essenzielle medizinische Bereiche.

1.2 Frühe Erweiterungen und Entwicklung der Krankenpflegeschule

Bereits in den Jahren 1912 und 1913 erfolgte der Bau eines ersten Erweiterungsgebäudes, das zusätzlichen Raum für eine Abteilung für Innere Medizin, einen Operationssaal, eine Röntgeneinrichtung und Ambulanzen schuf.2 Diese frühen baulichen Maßnahmen zeigen eine proaktive Anpassung an wachsende medizinische Bedürfnisse und die Integration neuer Technologien wie der Röntgendiagnostik. Parallel dazu entwickelte sich die von Beginn an bestehende Lehre und Ausbildung schnell vom Krankenkurs zu einer vollwertigen Krankenpflegeschule, die 1920 staatlich anerkannt wurde.2 Die rasche Erweiterung und die Etablierung einer staatlich anerkannten Krankenpflegeschule sind wichtige Indikatoren für den frühen Erfolg und die zukunftsorientierte Ausrichtung des Krankenhauses. Dies positionierte das St. Josefskrankenhaus nicht nur als Behandlungszentrum, sondern auch als bedeutende Ausbildungsstätte, die zur Professionalisierung der Krankenpflege in der Region maßgeblich beitrug. Die Fähigkeit zur Selbstversorgung mit qualifiziertem Personal durch die eigene Schule sicherte die Nachhaltigkeit des Betriebs.

1.3 Die Rolle des Josefskrankenhauses während der Weltkriege und die Zerstörung

Die Bedeutung des St. Josefskrankenhauses reichte über die zivile Versorgung hinaus, insbesondere in Kriegszeiten. Während des Ersten Weltkriegs wurde es als Lazarett genutzt, und im Zweiten Weltkrieg diente es der Versorgung der Zivilbevölkerung.2 Diese Nutzung unterstreicht die kritische und unersetzliche Rolle von Krankenhäusern in Zeiten nationaler Krisen. Ein dramatischer Einschnitt in die Krankenhausgeschichte ereignete sich beim Bombenangriff auf Freiburg am 27. November 1944, bei dem das St. Josefskrankenhaus zu großen Teilen zerstört wurde.2 Lediglich die grün geflieste Eingangshalle blieb unbeschadet.2 Die nahezu vollständige Zerstörung war ein schwerer Schlag für die Stadt und ihre Gesundheitsversorgung, symbolisiert jedoch auch die außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit und den Willen zum Wiederaufbau, der sich in den folgenden Jahren manifestierte. Das Überleben der Eingangshalle kann als symbolischer Anker der Kontinuität und Tradition inmitten radikaler Veränderungen interpretiert werden.

2. Wiederaufbau und Modernisierung in der Nachkriegszeit (1945-1999)

2.1 Der Wiederaufbau des zerstörten Josefskrankenhauses

Nach der verheerenden Zerstörung im November 1944 wurde das Josefskrankenhaus mit hoher Priorität bis 1951 vollständig wiederaufgebaut.2 Diese schnelle Rekonstruktion nach der Zerstörung ist ein starkes Indiz für den dringenden Bedarf und die Priorität, die der Gesundheitsversorgung in der Nachkriegszeit beigemessen wurde. Es war nicht nur die Wiederherstellung eines Gebäudes, sondern die Wiederherstellung einer fundamentalen öffentlichen Dienstleistung, die den Überlebenswillen und die Gemeinschaftsanstrengungen der Stadt widerspiegelte. Im Anschluss an das Hauptgebäude folgten der Wiederaufbau des traditionsreichen Mutterhauses und der Mutterhauskirche, was die tiefe Verwurzelung des Ordens und seiner Werte im Krankenhausbetrieb zusätzlich betonte.2

2.2 Kontinuierliche bauliche und funktionale Erweiterungen

Die Nachkriegszeit war geprägt von kontinuierlichen baulichen und funktionalen Erweiterungen, die die dynamische Entwicklung des Krankenhauses und seine Anpassung an den steigenden Bedarf an medizinischer Versorgung und fortschreitende Spezialisierung verdeutlichen. Durch den Bau des neuen Ergänzungsneubaus „Gartentrakt“ konnten die bestehenden 101 Betten um weitere 60 Betten erweitert werden.2

Im Jahr 1978 wurde ein Funktionstrakt angegliedert und umfassende Umbaumaßnahmen im Bestand vorgenommen.2 Das Ergebnis dieser Maßnahmen waren vier neue Operationssäle, moderne Sanitärbereiche, eine neue Intensivstation mit sieben sowie eine Pflegestation mit 24 Betten.2 Diese Investitionen in hochmoderne Infrastruktur waren direkte Reaktionen auf den medizinischen und technologischen Fortschritt. Die Einführung von Intensivstationen und die Notwendigkeit dedizierter Operationssäle erforderten spezifische strukturelle Anpassungen. Die bauliche Entwicklung des St. Josefskrankenhauses dient somit als greifbarer Zeitstrahl medizinischer Fortschritte und der zunehmenden Komplexität des Krankenhausbetriebs, der sich von der allgemeinen Krankenpflege hin zu spezialisierten, technisch anspruchsvollen medizinischen Disziplinen entwickelte.

Bis Ende 1988 wurde das Josefskrankenhaus erneut um 69 Betten erweitert, wovon 48 in einer Pädiatrie standen, deren angeschlossene Neugeborenenstation 8 Betten umfasste.2 In diesem Zeitraum entstanden auch eine Liegendanfahrt mit Notfallaufnahme, eine Cafeteria im Dachgeschoss, ein Reflektorium für die Ordensschwestern und eine Tiefgarage mit 109 Plätzen.2 Die Marienapotheke, deren Wurzeln bis ins Jahr 1875 zurückreichen, wurde ebenfalls integriert.2 Diese Erweiterungen, insbesondere die Etablierung einer Pädiatrie und Neugeborenenstation, zeigen eine strategische Entwicklung hin zu einer umfassenden Versorgung über alle Altersgruppen hinweg. Dies war eine Reaktion auf den demografischen Wandel und den wachsenden Bedarf an spezialisierter Kinder- und Notfallmedizin.

2.3 Entwicklung zum zentralen Notfallkrankenhaus

Mit der Einweihung des Ergänzungsneubaus und den umfassenden Modernisierungen wurde das St. Josefskrankenhaus vermehrt zum zentralen Notfallkrankenhaus ausgebaut.2 Diese Entwicklung ist ein wichtiger Meilenstein, der die strategische Ausrichtung des Krankenhauses hin zu einer Schlüsselrolle in der Akutversorgung der Stadt unterstreicht. Durch die Konzentration auf Notfallversorgung und die Integration verschiedener Fachbereiche festigte das Krankenhaus seine Rolle als kritischer Knotenpunkt für vielfältige medizinische Bedürfnisse und stärkte seine unverzichtbare Position in der Freiburger Infrastruktur.

Die Entwicklung der Bettenkapazität und Trägerschaft des St. Josefskrankenhauses ist in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

JahrBettenkapazitätTrägerschaft
1886 (Gründung)InitialBarmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul
Nach Gartentrakt161 (101 + 60)Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul 2
Bis Ende 1988+69Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul 2
2013282Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser (RKK) gGmbH
Aktuell282Artemed Kliniken Freiburg (AKF) gGmbH

3. Der Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser (RKK) (2000-2020)

3.1 Hintergründe und Ziele der Gründung des RKK

Mit der Gründung der RKK gGmbH im Jahr 2000 bündelten mehrere Ordensgemeinschaften ihre Interessen. Die beteiligten Orden waren der Orden der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (Gründerorden des St. Josefskrankenhauses), die Kongregation der Schwestern vom hl. Josef Kloster St. Trudpert (Gründerorden des Loretto-Krankenhauses), die Schwesternschaft St. Elisabeth und die Kongregation der Franziskanerinnen Erlenbad e.V.. Das übergeordnete Ziel dieser Zusammenarbeit war es, die Zukunft ihrer kirchlichen Krankenhäuser und die damit verbundene christliche Wertorientierung nachhaltig zu sichern.

Die Gründung des RKK war eine strategische Reaktion auf die zunehmenden Herausforderungen im Gesundheitswesen, insbesondere für kleinere, kirchlich geführte Krankenhäuser. Es wurde deutlich, dass einzelne, kleinere kirchliche Häuser zunehmend unter Druck gerieten, sei es durch steigende Betriebskosten, den Bedarf an hohen Investitionen in moderne Medizintechnik oder den Mangel an Nachwuchs in den Orden. Der Zusammenschluss war somit ein Versuch, durch die Bündelung von Ressourcen und Know-how die wirtschaftliche Tragfähigkeit und die Qualität der Versorgung zu erhalten, während die christliche Identität und die traditionelle menschliche Zuwendung bewahrt werden sollten. Diese Konsolidierung spiegelt einen breiteren Trend in der deutschen Krankenhauslandschaft wider, bei dem kleinere, unabhängige Krankenhäuser gezwungen sind, sich größeren Verbünden anzuschließen, um ihre langfristige Existenz zu sichern.

3.2 Zusammenschluss der kirchlichen Krankenhäuser unter dem RKK-Dach

Zu diesem Zweck brachten die Orden ihre bis dahin eigenständigen Krankenhäuser – das St. Josefskrankenhaus, das Loretto-Krankenhaus und das St. Elisabeth-Krankenhaus in Freiburg sowie das Bruder-Klaus-Krankenhaus in Waldkirch – unter dem neu gegründeten Dach des „Regionalverbundes kirchlicher Krankenhäuser (RKK) gGmbH“ zusammen. Dieser Zusammenschluss schuf einen größeren, regionalen Gesundheitsdienstleister, der die Versorgung im Großraum Freiburg maßgeblich prägte. Es war ein wichtiger Schritt zur Effizienzsteigerung und zur Sicherung der einzelnen Standorte in einem sich wandelnden und zunehmend wettbewerbsintensiven Gesundheitssystem.

3.3 Wichtige Bauprojekte und Integrationen in dieser Phase

Ein zentrales Projekt in dieser Phase war die Einweihung des Ergänzungsneubaus am St. Josefskrankenhaus im Jahr 2012, in den das St. Elisabeth-Krankenhaus vollständig integriert wurde. Dieser Ergänzungsneubau, auch als „E-Bau“ bekannt, war ein 6-geschossiger Bau inklusive Tiefgarage, der südlich des bestehenden Krankenhauses entstand. Die Bauzeit erstreckte sich von April 2008 bis Dezember 2012, umfasste eine Bruttogeschossfläche von ca. 15.000 m² und einen umbauten Raum von ca. 63.000 m³. Die Baukosten beliefen sich auf ca. 60 Mio. €. Diese massive Investition und die Integration eines weiteren Krankenhauses in das St. Josefskrankenhaus zeigen, dass es als der zentrale und strategisch wichtigste Standort innerhalb des RKK-Verbunds positioniert wurde. Die Konzentration von Ressourcen und Spezialisierungen in einem modernen Neubau zielte darauf ab, eine effizientere und qualitativ hochwertigere Versorgung zu gewährleisten.

Ein bemerkenswertes Ereignis war die Geburt des ersten Kindes in der neuen Entbindungsstation St. Elisabeth im Josefskrankenhaus am 6. Dezember 2012, nur eine Stunde nach Inbetriebnahme.3 Dies symbolisiert den reibungslosen Übergang und die schnelle Funktionalität der neuen Einrichtungen. Das Bruder-Klaus-Krankenhaus Waldkirch hingegen ging zum 1. April 2019 als BDH-Klinik Waldkirch in die Trägerschaft des Bundesverband Rehabilitation (BDH) e.V. über, was eine weitere Anpassung innerhalb des ursprünglichen RKK-Verbunds darstellte.

4. Der Übergang zur Artemed Gruppe (ab 2020)

4.1 Gründe für die Übernahme durch die Artemed Gruppe

Im Oktober 2020 gingen das Loretto-Krankenhaus und das St. Josefskrankenhaus in die Trägerschaft der Artemed Klinikgruppe über. Dieser Übergang markiert einen fundamentalen Wandel in der Trägerschaft und spiegelt die zunehmende Kommerzialisierung und Konzentration im deutschen Krankenhauswesen wider. Die Übernahme erfolgte, nachdem eine angestrebte Übernahme durch die BBT-Gruppe zuvor gescheitert war, explizit „wegen der Höhe des erforderlichen Investitionsvolumens“.

Die Ordensgemeinschaften, die die Krankenhäuser bis dahin betrieben hatten, waren aufgrund der Altersstruktur der Schwestern, mangelnden Nachwuchses und der nötigen hohen Investitionen, die angesichts der rasant fortschreitenden medizinischen Entwicklungen erforderlich waren, nicht mehr in der Lage, die Krankenhäuser eigenständig zu halten. Diese Gründe sind symptomatisch für viele kirchliche oder gemeinnützige Krankenhäuser in Deutschland und weisen auf einen landesweiten Trend hin, bei dem traditionelle Träger zunehmend Schwierigkeiten haben, die finanziellen und personellen Anforderungen eines hochmodernen Krankenhausbetriebs zu erfüllen. Dies führt zu einer verstärkten Privatisierung oder Konsolidierung unter größeren, wirtschaftlich orientierten Gruppen.

4.2 Die vertraglichen Vereinbarungen und die Umbenennung

Artemed ist bekannt für die „behutsame Übernahme von kirchlich geführten Kliniken“ und versprach, die Häuser in einer Kombination aus „christlich menschlicher Zuwendung und modernem Klinikbetrieb in die Zukunft zu führen“. Für die Ordensgemeinschaften waren drei Kriterien für die Abgabe ihrer Einrichtungen von entscheidender Bedeutung: der Erhalt der Häuser, die Sicherung der Arbeitsplätze (rund 2.000 Mitarbeiter) und die Fortführung der christlichen Tradition. Artemed stimmte diesen Punkten vertraglich zu. Das Bundeskartellamt erteilte ebenfalls seine Zustimmung zur Übernahme.

Nach der Übernahme erfolgte 2021 die Umbenennung des Verbunds in Artemed Kliniken Freiburg (AKF). Obwohl Artemed Zusicherungen bezüglich der Arbeitsplätze gemacht hatte, wurde im Juni 2021 mitgeteilt, dass im St. Josefskrankenhaus zehn Stellen im Bereich Einkauf und Lagerwirtschaft abgebaut und ausgelagert werden. Dies wurde von der Gewerkschaft Verdi kritisiert.3 Dieser Vorfall, auch wenn er eine geringe Anzahl von Stellen betrifft, verdeutlicht die Realität wirtschaftlicher Umstrukturierungen, die auch bei wohlwollenden Übernahmen auftreten können und nicht immer vollständig mit den ursprünglichen Zusicherungen übereinstimmen. Es illustriert die Komplexität und die potenziellen Spannungsfelder zwischen sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Effizienz bei Unternehmensübernahmen im Gesundheitssektor.

4.3 Die strategische Ausrichtung und Investitionspläne unter der neuen Trägerschaft

Unter der neuen Trägerschaft plant Artemed Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe, um die Modernisierung der Kliniken voranzutreiben. Das von Artemed verfolgte Konzept, das sogenannte „Artemed-Konzept“, betont die Wertschätzung für Mitarbeiter, Gestaltungsfreiraum, Teamarbeit und persönliche Förderung sowie Weiterbildung. Es zielt darauf ab, die fortschreitende medizinische Spezialisierung mit menschlicher Zuwendung und langjähriger Tradition zu verbinden.

Die Artemed Kliniken Freiburg haben sich unter dieser neuen Führung zum größten außeruniversitären Gesundheitsdienstleister im Großraum Freiburg entwickelt.1 Diese strategische Ausrichtung ist entscheidend für die langfristige Positionierung des Krankenhauses im Wettbewerb und für seine Attraktivität als Arbeitgeber und Versorger. Sie zeigt den Versuch, die Vorteile einer privaten Trägerschaft – wie Investitionsbereitschaft und Managementexpertise – mit den traditionellen Werten der Patientenversorgung zu vereinen.

5. Die Bedeutung des St. Josefskrankenhauses für Freiburg

5.1 Rolle als „Stadtkrankenhaus“ und akademisches Lehrkrankenhaus

Das St. Josefskrankenhaus wird im Volksmund als „Stadtkrankenhaus“ bezeichnet, was seine tiefe Verankerung in der lokalen Gemeinschaft und seine Bedeutung für die Grundversorgung unterstreicht.1 Darüber hinaus ist es ein akademisches Lehrkrankenhaus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.3 Diese Funktion hebt seine Rolle in der medizinischen Ausbildung und Forschung hervor, die über die reine Patientenversorgung hinausgeht. Es trägt aktiv zur Studierendenausbildung (Famulatur/Praktisches Jahr), zu Dozenturen an Hochschulen und Universitäten sowie zur Doktorandenbetreuung bei.11 Diese doppelte Rolle – als primärer Versorger und als Bildungsstätte – ist ein wichtiger Pfeiler der Gesundheitsinfrastruktur Freiburgs. Die Funktion als akademisches Lehrkrankenhaus schafft eine symbiotische Beziehung zur Universität, die die medizinische Forschung und die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte sichert und Freiburgs Ruf als Zentrum medizinischer Exzellenz stärkt.

5.2 Umfassendes medizinisches Leistungsspektrum und Spezialisierungen

Das St. Josefskrankenhaus bietet ein breit gefächertes Leistungsspektrum für alle Generationen und ist eine zentrale Anlaufstelle für die Grund-, Regel- und Spezialversorgung im Freiburger Raum. Es verfolgt die Vision, fortschreitende medizinische Spezialisierung mit menschlicher Zuwendung und langjähriger Tradition zu verbinden. Dies bedeutet, dass alle für die Diagnostik und Therapie einer Erkrankung relevanten Subspezialitäten integriert werden, um eine umfassende, interdisziplinäre und zugleich hochspezialisierte Behandlung anzubieten.

Zu den spezialisierten Fachbereichen gehören unter anderem:

  • Kardiologie & Rhythmologie
  • Innere Medizin
  • Allgemein- und Viszeralchirurgie
  • Gefäß- und Endovaskularchirurgie
  • Unfallchirurgie, Orthopädie und Kinder- und Sporttraumatologie
  • Interdisziplinäre Altersmedizin (Geriatrie)
  • Gynäkologie und Geburtshilfe, wobei es mit ca. 1.800 Geburten pro Jahr eine der geburtenstärksten Entbindungskliniken Freiburgs ist
  • Anästhesie, Intensiv- & Notfallmedizin
  • Radiologie, einschließlich Kinderradiologie, Neuroradiologie und Interventioneller Radiologie
  • Pneumologie, Infektiologie und Beatmungsmedizin (mit Weaningzentrum)
  • Kinder- und Jugendmedizin
  • Belegabteilungen für Neurochirurgie und Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Das Krankenhaus legt zudem großen Wert auf einen ganzheitlichen Ansatz in der Patientenversorgung, der eine umfassende Diagnostik, einen interdisziplinären Behandlungsansatz sowie eine mitfühlende Pflege und unterstützende Betreuung umfasst.

Die aktuellen medizinischen Fachbereiche und Spezialisierungen sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:

FachbereichSpezialisierungen/Leistungen
Innere MedizinKardiologie, Rhythmologie, Internistische Intensivmedizin, Pneumologie, Infektiologie, Beatmungsmedizin (Weaningzentrum), Gastroenterologie
Allgemein-, Viszeral- & ThoraxchirurgieAllgemein-, Viszeral- & Thoraxchirurgie, Gefäß- und Endovaskularchirurgie
Orthopädie & UnfallchirurgieUnfallchirurgie, Orthopädie, Kinder- und Sporttraumatologie, Wirbelsäulenchirurgie, Gelenkersatzverfahren/Endoprothetik, minimal-invasive Chirurgie an Gelenken
Gynäkologie & GeburtshilfeFrauenheilkunde, Geburtshilfe und Perinatologie, Endometrioseklinik, Babyfreundliches Krankenhaus
Interdisziplinäre Altersmedizin (IDA) & NeurologieGeriatrie, Neurologie, Betreuung akut verwirrter Patienten
Anästhesie, Intensiv- & NotfallmedizinChirurgische Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie, Weaning
RadiologieDiagnostische Radiologie, Kinderradiologie, Neuroradiologie, Interventionelle Radiologie, CT, Fluoroskopie
Kinder- & JugendmedizinPädiatrie (aktuell abgegeben an Uniklinik), Neugeborenen-Überwachungsstation (Storchennest), stationäre Versorgung von Kindern ab Grundschulalter
BelegabteilungenNeurochirurgie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (bis 2024)

5.3 Beitrag zur Notfallversorgung und zur regionalen Gesundheitsversorgung

Das St. Josefskrankenhaus spielt eine entscheidende Rolle in der Notfallversorgung Freiburgs. Es ist nach der Universitätsklinik das wichtigste Notfallzentrum der Stadt.4 Die Bedeutung dieser Funktion wird durch die steigende Zahl der Notfälle unterstrichen, die seit 2015 um 3.000 auf 21.000 pro Jahr gestiegen ist.4 Diese Zunahme der Fallzahlen ist nicht nur ein interner Leistungsindikator, sondern spiegelt direkt den Bevölkerungszuwachs und das steigende Durchschnittsalter in Freiburg wider.4 Das Krankenhaus fungiert somit als ein vitales Barometer für die demografische Entwicklung und die daraus resultierenden Gesundheitsbedürfnisse der Stadt. Seine Fähigkeit, diese steigende Nachfrage, insbesondere in der Notfall- und Mutter-Kind-Versorgung, zu bewältigen, ist entscheidend für die gesamte öffentliche Gesundheitsinfrastruktur und Lebensqualität der Stadt.

Das Krankenhaus sichert eine lückenlose Versorgungskette, die von der Notfallversorgung über die ambulante Rehabilitation und stationäre Pflege bis hin zur palliativen Behandlung reicht. Diese umfassende Versorgung ist ein wesentlicher Beitrag zur regionalen Gesundheitslandschaft.

5.4 Wirtschaftliche und soziale Relevanz

Über seine medizinische Versorgungsfunktion hinaus ist das St. Josefskrankenhaus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und sozialer Akteur in Freiburg. Der Verbund ist heute der größte außeruniversitäre Gesundheitsdienstleister im Großraum Freiburg.1 Mit rund 1200 Mitarbeitern ist das Krankenhaus ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.5 Es trägt maßgeblich zur Ausbildung in verschiedenen Gesundheitsberufen bei, darunter Gesundheits- und Krankenpfleger, Operationstechnische Assistenten und Medizinisch-technische Radiologieassistenten. Diese Bildungsfunktion sichert die Fachkräftebasis in der Region und stärkt Freiburgs Ruf als Wissenschaftsstandort. Die Beschäftigung von rund 1200 Mitarbeitern macht es zudem zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor, der Arbeitsplätze schafft und die lokale Wirtschaft stützt.

Die symbiotische Beziehung zwischen dem Krankenhaus und der Stadt erstreckt sich somit über die direkte Patientenversorgung hinaus und umfasst vitale Bildungs- und Wirtschaftsfunktionen. Das St. Josefskrankenhaus agiert als eine zentrale Säule in der Wissensökonomie und auf dem Arbeitsmarkt der Stadt, was zeigt, wie eine große Gesundheitseinrichtung tief mit dem sozioökonomischen Gefüge und dem intellektuellen Kapital ihres urbanen Umfelds verbunden sein kann. Die hohe Qualität der Versorgung und sein Beitrag zur Gesellschaft werden auch durch die offizielle Anerkennung als eines der besten Krankenhäuser Deutschlands bestätigt, basierend auf einer Studie des F.A.Z.-Instituts.

Die Chronologie der Schlüsselereignisse des St. Josefskrankenhauses ist in der folgenden Tabelle dargestellt:

Jahr/ZeitraumEreignis/MeilensteinQuellen
1886 (Februar)Gründung des St. Josefskrankenhauses durch die Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul mit chirurgischer Privatklinik und Gynäkologie/Geburtshilfe
1912/1913Bau eines ersten Erweiterungsgebäudes für Innere Medizin, Operationssaal, Röntgeneinrichtung und Ambulanzen2
1920Staatliche Anerkennung der Krankenpflegeschule2
1944 (27. November)Zerstörung großer Teile des Krankenhauses beim Bombenangriff auf Freiburg (Eingangshalle blieb unbeschadet)2
Bis 1951Vollständiger Wiederaufbau des zerstörten Josefskrankenhauses; Wiederaufbau des Mutterhauses und der Mutterhauskirche2
1978Anbau eines Funktionstraktes und Umbaumaßnahmen im Bestand (4 neue OP-Säle, moderne Sanitärbereiche, 7-Betten-Intensivstation, 24-Betten-Pflegestation)2
1980Übernahme der Trägerschaft für das Kinderkrankenhaus St. Hedwig durch die Schwestern2
Bis Ende 1988Erweiterung um 69 Betten (48 Pädiatrie, 8 Neugeborenenstation); Entstehung von Liegendanfahrt, Notfallaufnahme, Cafeteria, Reflektorium, Tiefgarage; Integration der Marienapotheke2
2000Gründung des Regionalverbundes kirchlicher Krankenhäuser (RKK) gGmbH; Zusammenschluss von St. Josefskrankenhaus, Loretto-Krankenhaus, St. Elisabeth-Krankenhaus und Bruder-Klaus-Krankenhaus
2008 – 2012Bau des 6-geschossigen Ergänzungsneubaus (E-Bau) inkl. Tiefgarage (ca. 60 Mio. € Baukosten)
2012 (Dezember)Einweihung des Ergänzungsneubaus am St. Josefskrankenhaus; Integration des St. Elisabeth-Krankenhauses; erste Geburt in der neuen Entbindungsstation St. Elisabeth
2019 (1. April)Bruder-Klaus-Krankenhaus Waldkirch geht in Trägerschaft des BDH e.V. über
2020 (Oktober)St. Josefskrankenhaus und Loretto-Krankenhaus gehen in die Trägerschaft der Artemed Klinikgruppe über
2021Umbenennung des Verbunds in Artemed Kliniken Freiburg (AKF)

Fazit und Ausblick

Das St. Josefskrankenhaus in Freiburg im Breisgau hat eine bemerkenswerte und facettenreiche Geschichte hinter sich. Von seiner bescheidenen Gründung durch einen kirchlichen Orden im Jahr 1886 hat es sich zu einem modernen, hochspezialisierten Krankenhaus entwickelt, das eine entscheidende Rolle in der Gesundheitsversorgung Freiburgs spielt. Seine Historie ist eine Abfolge von kontinuierlicher Anpassung, beeindruckender Widerstandsfähigkeit – insbesondere nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem schnellen Wiederaufbau –, stetiger baulicher und medizinischer Expansion sowie bedeutenden organisatorischen Veränderungen. Diese reichten von der Bündelung im Regionalverbund kirchlicher Krankenhäuser (RKK) bis zum jüngsten Übergang in die private Trägerschaft der Artemed Gruppe.

Das Krankenhaus hat sich stets an die Anforderungen des medizinischen Fortschritts angepasst und sein Leistungsspektrum kontinuierlich erweitert, um den sich wandelnden Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Die Übergänge in verschiedene Trägerschaften spiegeln die externen ökonomischen und demografischen Herausforderungen wider, denen Krankenhäuser in Deutschland begegnen müssen. Der Wandel von der kirchlichen zur privaten Trägerschaft ist ein prägnantes Beispiel für eine umfassendere Transformation im deutschen Gesundheitswesen, bei der die Notwendigkeit hoher Investitionen und die Altersstruktur traditioneller Träger zu neuen Eigentümerstrukturen führen.

Unter der Artemed Gruppe ist das St. Josefskrankenhaus weiterhin ein zentraler Akteur in der Freiburger Gesundheitslandschaft. Der Fokus liegt auf der Verbindung moderner Medizin mit menschlicher Zuwendung und nachhaltigen Investitionen. Als etabliertes „Stadtkrankenhaus“ und akademisches Lehrkrankenhaus wird es seine unverzichtbare Rolle in der Notfall- und Spezialversorgung sowie in der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses weiterhin wahrnehmen. Die Geschichte des St. Josefskrankenhauses ist somit eine Geschichte des Wachstums, der Anpassung und der fortwährenden Verpflichtung zur Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in Freiburg und der umliegenden Region.

Foto: (c) BSF 2025


Referenzen

  1. St. Josefskrankenhaus & Loretto-Krankenhaus | azubica.de, Zugriff am Juli 22, 2025, https://www.azubica.de/ausbildungen/st-josefskrankenhaus-loretto-krankenhaus/
  2. Über uns | Unsere Geschichte – St. Josefskrankenhaus | Freiburg, Zugriff am Juli 22, 2025, https://www.josefskrankenhaus-freiburg.de/geschichte
  3. Artemed Kliniken Freiburg – Wikipedia, Zugriff am Juli 22, 2025, https://de.wikipedia.org/wiki/Artemed_Kliniken_Freiburg
  4. Josefskrankenhaus | Freiburg-Schwarzwald.de, Zugriff am Juli 22, 2025, https://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/josefskrankenhaus/
  5. St. Josefskrankenhaus Freiburg – Region im Blick, Zugriff am Juli 22, 2025, https://regionimblick.de/business/unternehmensverzeichnis/st-josefskrankenhaus-freiburg
  6. St. Josefskrankenhaus in Freiburg – Klinikradar, Zugriff am Juli 22, 2025, https://klinikradar.de/kliniken/st-josefskrankenhaus
  7. St. Josefskrankenhaus Freiburg – Ergänzungsneubau, Zugriff am Juli 22, 2025, https://georgi-ai.de/projekte/X-Freiburg-136-St-Josefs-KH-E-Bau.php
  8. Kaufvertrag: Artemed Gruppe übernimmt RKK Klinikum in Freiburg – kma Online, Zugriff am Juli 22, 2025, https://www.kma-online.de/aktuelles/klinik-news/detail/artemed-gruppe-uebernimmt-rkk-klinikum-in-freiburg-a-43803
  9. Qualitätsbericht, St Josefskrankenhaus (RkK) Freiburg [260830048] – Klinikbewertungen, Zugriff am Juli 22, 2025, http://qualitaetsberichte.klinikbewertungen.de/260830048-00/2006/st-josefs-krankenhaus-freiburg.pdf
  10. Artemed übernimmt Freiburger RKK-Kliniken – Wirtschaft im Südwesten, Zugriff am Juli 22, 2025, https://www.wirtschaft-im-suedwesten.de/unternehmen/artemed-uebernimmt-freiburger-rkk-kliniken/
  11. St Josefskrankenhaus – Krankenhausportrait – Deutsches Krankenhaus Verzeichnis, Zugriff am Juli 22, 2025, https://www.deutsches-krankenhaus-verzeichnis.de/app/portrait/9bc4b856a1d29
  12. 3f9/start
  13. Impressum | St. Josefskrankenhaus Freiburg, Zugriff am Juli 22, 2025, https://www.josefskrankenhaus-freiburg.de/impressum

Von BSF

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