Nach 14 Jahren Pause ist es geschafft: Die Albert-Ludwigs-Universität darf sich wieder Exzellenzuniversität nennen. Ab 2027 fließen jedes Jahr Millionen nach Freiburg – unbefristet.
Freiburg, 2. Oktober 2026 – Es ist die Nachricht, auf die man an der Universität Freiburg lange hingearbeitet hat: Die Hochschule gehört wieder zum exklusiven Kreis der deutschen Exzellenzuniversitäten. Bekanntgegeben wurde die Entscheidung heute bei einer Pressekonferenz des Wissenschaftsrats in Bonn von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, die zugleich Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ist, und Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs als stellvertretendem GWK-Vorsitzenden. Ab dem 1. Januar 2027 wird die Universität im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern institutionell gefördert.
Rektorin: „Was für ein großartiger Erfolg“
Entsprechend groß ist die Freude auf dem Campus. Rektorin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein sprach von einer beeindruckenden Gemeinschaftsleistung. Menschen aus allen Bereichen der Universität hätten mit viel Engagement, Ideen und Begeisterung auf dieses Ziel hingearbeitet – nun dürfe man den Erfolg gemeinsam feiern.
Elf Bewerber, nur wenige Plätze
Der Wettbewerb war hart. Insgesamt elf Bewerbungen lagen der Exzellenzkommission vor. Neben Freiburg setzten sich die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die Universität zu Köln, der Verbund der Rhein-Main-Universitäten (TU Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt und Johannes Gutenberg-Universität Mainz) sowie das Ruhr Innovation Lab aus Ruhr-Universität Bochum und TU Dortmund durch. Zusammen mit zehn bereits bestehenden Exzellenzuniversitäten und -verbünden werden sie ab 2027 gefördert. Damit gibt es in Deutschland künftig 15 Exzellenzstandorte.
Um so viel Geld geht es
Für Einzeluniversitäten wie Freiburg beträgt die Förderung zwischen 10 und 15 Millionen Euro pro Jahr, Universitätsverbünde erhalten zwischen 15 und 28 Millionen Euro jährlich. Das Besondere: Die Förderung ist grundsätzlich unbefristet. Allerdings ist sie an Bedingungen geknüpft. Die Universität muss weiterhin mindestens zwei Exzellenzcluster vorweisen und regelmäßige Evaluationen erfolgreich bestehen.
Mit diesem Konzept hat Freiburg überzeugt
Den Ausschlag gab der Antrag mit dem Titel „The Future Research University: Sparking Change That Matters“. Er ist eng mit der Zukunftsagenda „UFR 2040″ verbunden, die als strategischer Kompass der Universität für die nächsten 15 Jahre dient.
Die Idee dahinter: Die Universität will neue Freiräume für Spitzenforschung schaffen, Fachgrenzen überwinden und Menschen mit unterschiedlichen Perspektiven zusammenbringen. Gleichzeitig soll die Lehre Studierende stärker darauf vorbereiten, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Und wissenschaftliche Erkenntnisse sollen schneller den Weg in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik finden.
Krieglstein formuliert den Anspruch klar: Man wolle nicht nur Antworten auf die großen Fragen der Zeit finden, sondern konkrete Veränderungen anstoßen – etwa beim Klimaschutz, beim medizinischen Fortschritt und für eine starke Demokratie. Mit dem zusätzlichen Geld sollen außerdem herausragende Talente aus aller Welt nach Freiburg geholt werden.
Die Basis: zwei starke Exzellenzcluster
Voraussetzung für eine Bewerbung als Exzellenzuniversität sind mindestens zwei Exzellenzcluster. Freiburg bringt für die Förderperiode 2026 bis 2032 genau diese mit. Das Cluster CIBSS (Centre for Integrative Biological Signalling Studies) erforscht, wie biologische Signale in Zellen und Organismen verarbeitet werden. Das Cluster Future Forests beschäftigt sich damit, wie Wälder als komplexe sozial-ökologische Systeme an den globalen Wandel angepasst werden können – ein Thema, das gerade im Schwarzwald niemanden kalt lässt.
Eine Rückkehr nach 14 Jahren
Für Freiburg ist der Titel nicht neu. Bereits von 2007 bis 2012 gehörte die Universität zu den Exzellenzuniversitäten, verlor den Status dann aber. Mit der erneuten Aufnahme erhält sie nun wieder eine langfristige institutionelle Förderung, um ihre strategische Entwicklung voranzutreiben.
Baden-Württemberg bleibt Spitze
Auch in Stuttgart ist die Freude groß. Wissenschaftsministerin Petra Olschowski gratulierte allen Beteiligten und betonte, Freiburg habe sich in einem extrem starken Bewerberfeld durchgesetzt. Mit vier von 15 Exzellenzuniversitäten liege Baden-Württemberg bundesweit weiterhin auf Platz eins. Auf dem Erfolg wolle man sich aber nicht ausruhen, sondern ihn als Ansporn nehmen.
Prof. Dr. Holger Reinecke, Vorsitzender des Universitätsrats, wertet die Entscheidung als große Anerkennung für die Entwicklung der Universität in den vergangenen Jahren. Bei der Begehung durch die Gutachter sei eindrucksvoll sichtbar geworden, wie wissenschaftliche Stärke, ein klares Zukunftsbild und die Vernetzung mit Partnern in der Region und weltweit zusammenwirken. Der Titel bringe neue Möglichkeiten, aber auch Verantwortung mit sich.
Was bedeutet das für Freiburg?
Für die Stadt ist die Auszeichnung weit mehr als ein Prestigetitel. Zusätzliche Millionen bedeuten neue Forschungsstellen, internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nach Freiburg ziehen, und eine noch stärkere Sichtbarkeit der Universität weltweit. Davon profitieren auch Unternehmen in der Region, Start-ups aus dem Uni-Umfeld und nicht zuletzt die Studierenden. Freiburg hat sich heute endgültig wieder auf die Landkarte der deutschen Spitzenforschung zurückgemeldet.
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