Eigenkapital ist aufgebraucht
Das Universitätsklinikum Freiburg hat seinen Jahresabschluss für 2025 veröffentlicht. Das Ergebnis: ein Fehlbetrag von 54,2 Millionen Euro – nach 56,0 Millionen Euro im Vorjahr. Zwar fällt der Verlust damit etwas geringer aus als 2024, doch ein Blick in die Bilanz zeigt ein ernsteres Problem: Das komplette Eigenkapital der Klinik ist aufgezehrt, erstmals weist das Klinikum einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ aus. Freiburg-Nachrichten hat die Zahlen im Detail ausgewertet.
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
Laut der auf der Klinikums-Website veröffentlichten Gewinn- und Verlustrechnung erzielte die Uniklinik 2025 Erlöse aus Krankenhausleistungen von 869,8 Millionen Euro, ein Plus von 9,5 Prozent gegenüber den 794,3 Millionen Euro aus 2024. Zusammen mit weiteren Erlösen aus dem Krankenhausbetrieb (523,9 Millionen Euro, plus 8,2 Prozent) und sonstigen Erträgen (23,9 Millionen Euro, ein Rückgang um gut ein Drittel) kam das Klinikum auf Gesamterträge von rund 1,42 Milliarden Euro – ein Zuwachs von etwa 7,6 Prozent im Jahresvergleich.
Diesem Ertragswachstum stand ein nahezu ebenso starker Anstieg der Aufwendungen gegenüber. Mit rund 1,47 Milliarden Euro lagen die Gesamtkosten 2025 etwa 7,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Größter Kostenblock bleibt der Personalaufwand: Er stieg von 616,6 Millionen auf 660,0 Millionen Euro – ein Plus von 7,0 Prozent bzw. rund 43,4 Millionen Euro. Der Anstieg dürfte maßgeblich mit dem Tarifabschluss für die Beschäftigten der Uniklinika in Baden-Württemberg zusammenhängen, über den Freiburg-Nachrichten bereits berichtet hat.
Auch die „bezogenen Leistungen der Medizinischen Fakultät“ – also Aufwendungen für Forschung und Lehre, die dem Klinikum von der Fakultät in Rechnung gestellt werden – legten überdurchschnittlich zu: von 190,5 auf 208,9 Millionen Euro, ein Plus von 9,7 Prozent. Der Sachaufwand wuchs um 5,7 Prozent auf 419,1 Millionen Euro, die sonstigen Aufwendungen um 8,3 Prozent auf 165,0 Millionen Euro. Auffällig ist der Sprung bei den Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände: Sie kletterten um fast 31 Prozent von 12,4 auf 16,2 Millionen Euro – ein Hinweis auf laufende Investitionen in Gebäude, Technik und Ausstattung.
Unter dem Strich blieb ein Betriebsergebnis von minus 51,7 Millionen Euro, nahezu unverändert gegenüber minus 51,3 Millionen Euro im Vorjahr. Dass das Jahresergebnis mit minus 54,2 Millionen Euro dennoch etwas besser ausfiel als 2024, liegt vor allem an einem verbesserten Finanzergebnis: Die Zins- und Steuerlast sank von 4,6 auf 2,5 Millionen Euro.
Bilanz zeigt: Eigenkapital ist aufgebraucht
Deutlich alarmierender liest sich die Bilanz. Die Bilanzsumme wuchs zwar von 1,21 auf 1,29 Milliarden Euro, doch das Eigenkapital des Klinikums sank von 41,4 Millionen Euro im Jahr 2024 auf null. Die Jahresfehlbeträge der vergangenen Jahre haben das vorhandene Eigenkapital damit vollständig aufgezehrt. Erstmals weist die Bilanz zusätzlich einen „nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag“ von gut 5 Millionen Euro aus – eine Position, die 2024 noch nicht existierte und die auf einen bilanziellen Überschuldungstatbestand hindeutet.
Gleichzeitig sind die Verbindlichkeiten des Klinikums spürbar gestiegen: von 423,6 auf 534,6 Millionen Euro, ein Plus von 26,2 Prozent bzw. rund 111 Millionen Euro. Die Rückstellungen blieben mit 159,6 Millionen Euro nahezu stabil (plus 1,7 Prozent). Auch die „Sonderposten aus Zuwendungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens“ – im Wesentlichen Investitionsförderungen von Bund und Land – wuchsen leicht auf 596,4 Millionen Euro.
Auf der Aktivseite fällt vor allem der stark verbesserte Kassenbestand auf: Liquide Mittel (Kassenbestand, Bundesbankguthaben, Guthaben bei Kreditinstituten) stiegen von 20,5 auf 54,8 Millionen Euro – eine Verdreifachung binnen eines Jahres. Auch die Forderungen legten um 7,8 Prozent auf 310,9 Millionen Euro zu, während die Vorräte leicht auf 61,1 Millionen Euro zurückgingen. Das Anlagevermögen – im Wesentlichen Grundstücke, Gebäude und medizinische Ausstattung – wuchs moderat um 2,9 Prozent auf 857,7 Millionen Euro.
Einordnung: Ein Klinikum im Krisenmodus – wie viele andere auch
Die Zahlen der Uniklinik Freiburg reihen sich damit in einen Trend ein, über den Freiburg-Nachrichten bereits ausführlich berichtet hat: Deutsche Krankenhäuser stehen wirtschaftlich massiv unter Druck. Steigende Personal- und Sachkosten, eine im Vergleich dazu unzureichende Krankenhausfinanzierung durch die Fallpauschalen sowie hohe Investitionsstaus treiben selbst große, wirtschaftlich eigentlich gut aufgestellte Universitätsklinika in strukturelle Defizite. Dass die Erlöse der Uniklinik Freiburg 2025 zwar kräftig gestiegen sind, die Kosten aber nahezu im Gleichschritt mitgewachsen sind, zeigt: Höhere Fallzahlen und Erlöse allein reichen derzeit nicht aus, um die Kostensteigerungen – allen voran bei den Personalkosten – aufzufangen.
Dass das Klinikum als Anstalt des öffentlichen Rechts trägerschaftlich eng mit dem Land Baden-Württemberg verbunden ist, dürfte eine unmittelbare Insolvenzgefahr im Sinne einer Zahlungsunfähigkeit relativieren – anders als bei vielen kommunalen oder freigemeinnützigen Krankenhäusern, die zuletzt Insolvenz anmelden mussten. Der komplette Verzehr des Eigenkapitals und der erstmals ausgewiesene ungedeckte Fehlbetrag sind dennoch ein deutliches Warnsignal für die strukturelle wirtschaftliche Lage der Freiburger Universitätsmedizin.
Zur Quelle
Die hier ausgewerteten Zahlen stammen aus der von der Uniklinik Freiburg selbst veröffentlichten Gewinn- und Verlustrechnung sowie Bilanz für die Geschäftsjahre 2025 und 2024, einsehbar unter uniklinik-freiburg.de im Bereich „Zahlen und Fakten“.

