Am Mittwochabend, den 12. August 2026, wird der Himmel über Freiburg zur Bühne für ein seltenes Naturschauspiel: eine partielle Sonnenfinsternis, bei der der Mond bis zu 90 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt – der höchste Bedeckungsgrad, der in ganz Deutschland zu beobachten sein wird. Freiburg liegt damit bundesweit an der Spitze, zusammen mit dem Bodenseeraum. Wer das Ereignis miterleben will, sollte sich jedoch vorher informieren – denn ein unbedachter Blick in die Sonne kann bleibende Schäden an den Augen verursachen.
Wann und wo man am besten hinschaut
Die Finsternis läuft in Freiburg in etwa so ab:
- Beginn: ca. 19:22–19:23 Uhr
- Maximum: ca. 20:15–20:17 Uhr (bis zu 90 % Bedeckung)
- Ende: ca. 21:09 Uhr (mit Sonnenuntergang)
Die Himmelsrichtung ist entscheidend: Die Sonne steht während der gesamten Finsternis tief im Westen bis Westnordwesten und nur wenige Grad über dem Horizont – im Maximum sind es in Freiburg schätzungsweise nur rund 2 bis 4 Grad Höhe. Wer beobachten möchte, braucht deshalb unbedingt einen wirklich freien Blick zum Westhorizont, ohne Bäume, Häuser oder Hügel im Weg. Gut geeignete Orte in und um Freiburg sind erhöhte, offene Aussichtspunkte mit freier Sicht Richtung Vogesen – etwa Weinberglagen am Schönberg oder Tuniberg, sofern der Horizont dort wirklich frei ist.
Ein netter Zusatzeffekt: Da die Finsternis bei Neumond stattfindet, ist in derselben Nacht auch das Maximum der Perseiden-Sternschnuppen zu erwarten – allerdings erst deutlich später, ab Mitternacht.
Warum der Blick in die Sonne so gefährlich ist
Auch wenn der Mond bis zu 90 Prozent der Sonne verdeckt – die verbleibenden 10 Prozent reichen völlig aus, um die Netzhaut dauerhaft zu schädigen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt ausdrücklich davor, während der Finsternis ohne geeigneten Schutz in die Sonne zu blicken.
Das Tückische dabei: Die Netzhaut selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren. Man spürt also nicht, wenn ein Schaden entsteht – die sogenannte „Sonnenfinsternis-Retinopathie“ macht sich oft erst Stunden später bemerkbar, in Form von verschwommenem Sehen, blinden Flecken im Gesichtsfeld oder Farbwahrnehmungsstörungen. Diese Schäden können irreversibel sein. Selbst ein kurzer, ungeschützter Blick von wenigen Sekunden kann genügen, weil die gebündelte Sonnenstrahlung die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut regelrecht verbrennt.
Auch vermeintliche Hilfsmittel wie Sonnenbrillen, geschwärzte Filme, Rußglas oder CDs bieten keinen ausreichenden Schutz – sie lassen zu viel sichtbares Licht und vor allem unsichtbare Infrarot- und UV-Strahlung durch.
Wie spezielle Sonnenfinsternis-Brillen funktionieren
Sogenannte SoFi-Brillen (Sonnenfinsternis-Brillen) sehen aus wie einfache Papp-3D-Brillen, funktionieren aber nach einem anderen Prinzip. Sie sind mit einer speziellen Folie ausgestattet – meist aus schwarzem Polymer oder beschichtetem Polyester –, die nach der Norm ISO 12312-2 zertifiziert sein muss. Diese Folie:
- lässt nur einen winzigen Bruchteil des sichtbaren Lichts durch (üblicherweise weniger als 0,001 Prozent),
- blockiert nahezu die gesamte schädliche UV- und Infrarotstrahlung,
- ist so dunkel, dass durch sie hindurch praktisch nichts außer der Sonne selbst sichtbar ist.
Vor der Nutzung lohnt ein kurzer Check: Die Brille sollte auf Kratzer, Risse oder Löcher in der Folie geprüft werden – schon winzige Beschädigungen können die Schutzwirkung aufheben. Die Brille darf ausschließlich für die direkte Beobachtung der Sonne verwendet werden; durch ein Fernglas oder Teleskop hindurch reicht der Schutz nicht aus, dafür sind spezielle Vorsatzfilter nötig, die vor der Optik angebracht werden.
Eine einfache und sichere Alternative ganz ohne Brille ist die Lochkamera-Methode: Ein kleines Loch in einem Blatt Pappe projiziert ein Abbild der Sonne auf den Boden oder eine zweite Fläche – auch ein Küchensieb eignet sich dafür. Man schaut dabei nie direkt in die Sonne, sondern nur auf die Projektion. Besonders für Kinder ist das der sicherste Zugang zu diesem Himmelsereignis.
Kurz zusammengefasst
- Niemals ohne zertifizierte SoFi-Brille (ISO 12312-2) direkt in die Sonne blicken – auch nicht kurz.
- Beobachtungszeitraum in Freiburg: ca. 19:22 bis 21:09 Uhr, Maximum gegen 20:15–20:17 Uhr.
- Blickrichtung: Westen bis Westnordwesten, freie Horizontsicht ist entscheidend.
- Sonnenbrillen, Rußglas, CDs oder Filmnegative bieten keinen ausreichenden Schutz.
- Alternative ohne Brille: Lochkamera-Projektion auf eine Fläche.
Wetterabhängig – bei bewölktem Himmel über Freiburg fällt das Spektakel im Zweifel ins Wasser. Ein Blick auf die aktuelle Vorhersage am Finsternistag selbst lohnt sich.
Symbolbild: KI
