Dauernde Hitze ohne Regen schadet
Die Landwirtschaft in Baden-Württemberg steht zunehmend unter Druck: Ernteverluste, Trockenheit und neue Schädlinge machen den Betrieben im Land schwer zu schaffen. Auch die Qualität der Produkte leidet spürbar unter den steigenden Temperaturen.
Rekordverdächtige Hitzebilanz
Bereits bis Mitte Juli 2026 wurden in Baden-Württemberg 19 Hitzetage gezählt – Tage, an denen die Temperatur 30 Grad Celsius erreicht oder überschreitet. Damit reiht sich das laufende Jahr in eine deutliche Entwicklung ein: Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag die Zahl der Hitzetage bei 14 pro Jahr. Zum Vergleich: Zwischen 1961 und 1990 waren es im Schnitt nur 3,5 Hitzetage jährlich. Das geht aus einer Stellungnahme des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums hervor, die als Antwort auf eine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion veröffentlicht wurde.
Ernteeinbußen und sinkende Qualität
Für Ackerbaukulturen wie Getreide oder Raps gilt laut Ministerium inzwischen: Erträge lassen sich bestenfalls noch absichern, aber nicht mehr steigern. Ertragseinbußen bis hin zu Totalausfällen nehmen zu. Auch die Qualität leidet – etwa beim Proteingehalt von Weizen oder beim Kornertrag von Hafer. Besonders betroffen sind Sommerkulturen wie Braugerste, Sojabohnen und teilweise auch Mais, deren Anbau in manchen Regionen kaum noch wirtschaftlich ist.
Ein prominentes Beispiel liefert die Zuckerrübenernte: Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer rechnet mit rund einem Drittel weniger Zuckerertrag. Auch beim Mannheimer Konzern Südzucker beobachtet man die Entwicklung mit Sorge.
Mehr Bewässerung, schnellere Schädlingsausbreitung
Die Landwirte reagieren mit mehr künstlicher Bewässerung: Zwischen 2019 und 2022 stieg die bewässerte Fläche in Baden-Württemberg um 3.500 Hektar auf insgesamt 22.800 Hektar. Gleichzeitig begünstigen höhere Temperaturen und mildere Winter die Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten in Regionen und auf Pflanzen, die zuvor verschont blieben. Das Ministerium nennt unter anderem die Maiskolbenfäule, die Ypsilon-Raupe und die Kleinasiatische Weizenwurzelschildlaus. Bei Raps beobachten Fachleute, dass sich Schädlinge teils innerhalb weniger Stunden massiv ausbreiten können.
Auch Nutztiere leiden
Die Hitze wirkt sich nicht nur auf Pflanzen aus. Laut Ministerium sinkt bei Rindern die Milchleistung, Schweine wachsen langsamer und Hühner legen kleinere Eier. Die Auswirkungen der Klimaentwicklung reichen damit von der Feldwirtschaft bis in die Tierhaltung.
Zunehmende Flächenbrände
Die anhaltende Trockenheit führt zudem immer wieder zu Flächenbränden. Am zweiten Juliwochenende brannten mehrere – teils bereits abgeerntete – Felder in der Umgebung von Karlsruhe, dazu kam ein Brand in einem Getreidelager. Der Kreisfeuerwehrverband Karlsruhe berichtete von einem Einsatz, der nahtlos in den nächsten überging. Im selben Zeitraum registrierte die Feuerwehr rund um Heilbronn sieben Feldbrände innerhalb von sieben Stunden, bei denen rund 110 Einsatzkräfte im Einsatz waren.
Reaktion des Landes
Das Land Baden-Württemberg will die Anpassung an den Klimawandel weiter vorantreiben. Seit vergangenem Jahr sind Kommunen gesetzlich verpflichtet, eigene Klimaanpassungskonzepte zu erstellen – dafür erhalten sie finanzielle Unterstützung vom Land. Grün- und Wasserflächen sollen helfen, die Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze- und Trockenperioden zu erhöhen.
Ausblick: Weitere Zunahme erwartet
Die Entwicklung dürfte sich fortsetzen: Prognosen zufolge könnte die Zahl der Hitzetage bis 2050 um weitere drei bis acht Tage pro Jahr steigen. Als besonders betroffen gelten der Oberrheingraben sowie die Regionen um Karlsruhe, Mannheim und Heilbronn – Gebiete, die schon heute zu den heißesten und trockensten im Land zählen.
Quelle: Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Symbolbild: KI

