Drastischer Schritt nach Bischofsweihe in der Schweiz
Der Vatikan hat einen drastischen Schritt gesetzt: Sechs Geistliche, die der erzkonservativen Piusbruderschaft angehören, sind ab sofort aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Anlass für diese Entscheidung war eine Bischofsweihe, die die Bruderschaft ohne Erlaubnis des Papstes durchführte.
Was ist passiert?
Am 1. Juli 2026 weihte die Piusbruderschaft in ihrem Priesterseminar im schweizerischen Écône vier neue Bischöfe – und das, obwohl Papst Leo XIV. dies zuvor ausdrücklich untersagt hatte. Die zuständige vatikanische Glaubensbehörde stufte die Weihe als sogenannten „Akt schismatischer Natur“ ein. Das bedeutet: Der Vatikan wertet die eigenmächtige Weihe als bewussten Bruch mit der katholischen Kirche.
Als direkte Folge sprach Rom die Exkommunikation nicht nur gegen die vier neu geweihten Bischöfe aus, sondern auch gegen zwei weitere Bischöfe der Bruderschaft. Weit darüber hinaus geht jedoch die eigentliche Tragweite der Entscheidung: Betroffen sind ausnahmslos alle Geistlichen, die der Piusbruderschaft angehören.
Auch Laien betroffen
Die Konsequenzen reichen bis in den Alltag der Gläubigen hinein. Auch Laien, die formell in die Piusbruderschaft eintreten, gelten künftig als von der katholischen Kirche getrennt. Praktisch bedeutet das unter anderem, dass Spenden, die im Rahmen kirchlicher Bußakte über die Bruderschaft gesammelt wurden, ebenso wie von ihr geschlossene Ehen künftig von der katholischen Kirche nicht mehr anerkannt werden.
Ein Konflikt mit langer Geschichte
Kardinal Víctor Fernández, der oberste Glaubenshüter des Papstes, erläuterte in dem offiziellen Schreiben auch die Vorgeschichte. Über die Jahre habe es immer wieder Gesprächsversuche gegeben – auch zuletzt noch im zuständigen Dikasterium –, um die Bruderschaft zurück in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche zu führen. All diese Annäherungsversuche seien am Ende gescheitert.
Die Piusbruderschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet – als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Die Bruderschaft lehnte zentrale Reformen als zu liberal ab und befindet sich seither in einem andauernden Spannungsverhältnis zum Vatikan. Weltweit zählt sie nach eigenen Angaben rund 700 Priester zu ihren Mitgliedern.
Einordnung
Mit diesem Schritt markiert der Vatikan einen vorläufigen Höhepunkt in einem jahrzehntelangen Konflikt. Während frühere Auseinandersetzungen mit der Bruderschaft meist auf Verhandlungen und punktuelle Sanktionen hinausliefen, betrifft die aktuelle Exkommunikation erstmals pauschal alle Geistlichen der Gemeinschaft – ein Signal, dass Rom eine weitere Annäherung derzeit für ausgeschlossen hält.
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