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Sind eisgekühlte Getränke bei Hitze das Richtige?

BSF 28. Juni 2026 14 Minuten gelesen
Sind gekühlte Getränke gesund

Eisgekühlt oder lauwarm? Was Wissenschaft und Forschung wirklich über kalte Getränke bei Hitze sagen

Kaum läuft die erste Hitzewelle des Sommers an, greift jeder reflexartig zum eiskalten Wasser aus dem Kühlschrank. Doch ist das wirklich die kluge Wahl – oder schadet uns die vermeintliche Abkühlung mehr, als sie nützt?


Der Sommer, der Durst und eine uralte Frage

Es ist 35 Grad. Die Luft flirrt. Du hast den ganzen Nachmittag draußen verbracht und sehnst dich nach nichts mehr als einem Glas eiskalten Wassers, am besten mit ein paar Eiswürfeln drin. Dieses Bild kennt wohl jeder. Und es fühlt sich schlicht richtig an – der Kontrast zwischen Außenhitze und dem eiskalten Getränk in der Hand erscheint wie pure Erleichterung.

Gleichzeitig hört man seit Jahren die gegenteilige These: Eisgekühlte Getränke seien bei Hitze kontraproduktiv. In China und anderen asiatischen Ländern schwört man bei 40 Grad auf heißen Tee. Ärzte und Ernährungsberater warnen gelegentlich vor Eiswasser. Und dann gibt es wieder Studien, die belegen, dass kalte Getränke beim Sport die Ausdauer verbessern.

Was stimmt nun? Schadet uns das eiskalte Getränk bei Hitze – oder ist das alles ein Mythos? Die Antwort ist, wie so oft in der Wissenschaft, differenzierter als ein einfaches Ja oder Nein. Schauen wir uns die Fakten genau an.


Wie der Körper bei Hitze überhaupt funktioniert

Um die Frage zu beantworten, muss man zunächst verstehen, wie der menschliche Körper mit Wärme umgeht. Der Fachbegriff lautet Thermoregulation – also die Fähigkeit des Organismus, seine Kerntemperatur konstant bei etwa 36,5 bis 37,5 Grad Celsius zu halten, egal ob draußen Frost oder Gluthitze herrscht.

Wenn es heiß wird, setzt der Körper mehrere Mechanismen in Gang: Die Blutgefäße nahe der Hautoberfläche weiten sich (Vasodilatation), damit mehr Wärme über die Haut abgegeben werden kann. Gleichzeitig beginnen die Schweißdrüsen ihre Arbeit. Schweiß verdunstet auf der Haut – und bei diesem Verdunstungsprozess wird dem Körper Wärmeenergie entzogen. Das ist das eigentliche Kühlsystem des menschlichen Körpers, und es ist erstaunlich effizient.

Der Haken: Bei diesem Prozess verliert der Körper Flüssigkeit und wichtige Elektrolyte (Salze wie Natrium, Kalium, Magnesium). Bei 20 Grad Außentemperatur verliert ein Mensch durchschnittlich etwa einen halben Liter Schweiß. Bei 35 Grad und körperlicher Aktivität können es bis zu sechs Liter täglich sein. Dehydration ist deshalb bei Hitze das eigentliche Hauptproblem – und der wichtigste Grund, warum man trinken muss. Nicht primär, um den Körper abzukühlen, sondern um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.


Mythos 1: Eiskalte Getränke kühlen den Körper wirklich ab

Dieser Gedanke klingt logisch. Wenn der Körper überhitzt ist und ich kaltes Wasser hineingieße, muss er doch abkühlen – oder?

Nur bedingt. Laut Berechnungen von Wissenschaftlern kann man die Körperkerntemperatur durch einen Liter kaltes Wasser nur um etwa ein halbes Grad senken. Das ist wenig. Zum Vergleich: Das Schwitzen ist als Kühlmechanismus vielfach effizienter. Die eiskalte Limonade gibt also durchaus ein subjektives Frischegefühl im Mund und Rachen – doch auf die eigentliche Kerntemperatur hat sie kaum nennenswerten Einfluss.

Das Physiologische Institut der Universität Gießen stellt klar: Kühle Getränke und Speisen senken zwar tatsächlich eine überhöhte Kerntemperatur – aber der Effekt ist begrenzt und hängt davon ab, wie viel und wie kalt man trinkt. Damit eiskaltes Trinken die Wärmeproduktion des Körpers ankurbeln würde (also kontraproduktiv wäre), müsste man schon extreme Mengen eiskalter Flüssigkeit zu sich nehmen, weit mehr, als ein normaler Mensch an einem Hitzetag trinkt.


Mythos 2: Der Körper muss kalte Getränke erst aufwärmen und erzeugt dabei selbst Wärme

Dieser oft genannte Einwand gegen eiskalte Getränke klingt physiologisch plausibel: Der Körper muss das eiskalte Wasser erst auf Körpertemperatur bringen – und das kostet Energie, also Wärme.

Doch hier widersprechen Wissenschaftler klar. Flüssigkeiten werden im Magen-Darm-Trakt passiv durch die Umgebungstemperatur des Körpers erwärmt. Eine aktive Erwärmung der Nahrung gibt es nicht. Der Körper muss dafür keine zusätzlichen Anstrengungen unternehmen und erzeugt dabei keine nennenswerte Extrawärme. Es gibt im Magen-Darm-Trakt nur sehr wenige Kältereceptoren, und dieser Bereich ist nicht zu einer regulativen Wärmeproduktion fähig. Für die These, dass eiskalte Getränke die körpereigene Wärmeproduktion ankurbeln, gibt es laut Experten keine wissenschaftlichen Belege.


Mythos 3: Heiße Getränke kühlen besser durch verstärktes Schwitzen

Umgekehrt gibt es die Theorie, die vor allem aus dem asiatischen Raum bekannt ist: Heißer Tee bei 40-Grad-Hitze regt das Schwitzen an, und da Schwitzen das effektivste Kühlsystem des Körpers ist, kühlt man dadurch besser.

Diese These ist nicht vollständig falsch, aber sie gilt nur unter bestimmten Bedingungen. Eine australische Forschungsgruppe hat genau das untersucht: Radfahrer tranken bei körperlicher Aktivität entweder 10 Grad kaltes oder körperwarmes Wasser, und die Forscher maßen Schweißproduktion, Haut- und Körpertemperatur. Das Ergebnis war überraschend: Bei trockener Luft und körperlicher Aktivität machte es keinen wesentlichen Unterschied für die Wärmebilanz, ob kalt oder warm getrunken wurde.

Entscheidend ist hier das Wort „trocken“. Heißer Tee funktioniert als Kühlstrategie nur dann, wenn der durch das Trinken angeregt produzierte Schweiß auch wirklich verdunsten kann. Bei trockener Luft ist das der Fall. Bei schwülem, feuchtem Wetter hingegen, wenn die Luft schon mit Feuchtigkeit gesättigt ist, kann Schweiß kaum noch verdunsten – und heißes Trinken bringt dann keinen Vorteil, belastet den Körper aber durch die zusätzlich zugeführte Wärme.

Das erklärt auch, warum in der trockenen Sahara-Hitze lauwarmer Tee mit Minze sinnvoll sein kann, in der feuchten Monsunhitze Südostasiens aber kaum.


Was die Wissenschaft tatsächlich belegt: Der Kontext entscheidet

Wenn man die Forschungslage ehrlich zusammenfasst, lautet das Fazit: Es kommt darauf an.

Bei Sport und körperlicher Aktivität in der Hitze sprechen die Studien klar für kühle (nicht eiskalte) Getränke. Eine Studie, die in der renommierten Fachzeitschrift „Medicine and Science in Sports and Exercise“ veröffentlicht wurde, zeigte, dass kalte Getränke zwischen 10 und 16 Grad Celsius, die vor und während des Trainings bei warmen Bedingungen konsumiert wurden, die Ausdauer um bis zu 23 Prozent im Vergleich zu lauwarmem Wasser verbesserten. Sie bremsen den Anstieg der Körperkerntemperatur und reduzieren dadurch den Hitzestress. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2019 in Doha nutzten 52 Prozent der Athleten kaltes Wasser als gezielte Kühlstrategie.

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen kühlen und eiskalten Getränken. Slush-Eis und Getränke nahe dem Gefrierpunkt können laut der australischen Forscher bei trockener Hitze die Wärmeabgabe des Körpers bremsen, weil sie die Schweißproduktion kurzfristig drosseln. Sie empfehlen deshalb selbst beim Sport Wasser jeder Temperatur – aber kein Slush-Eis.


Die echten Risiken eiskalter Getränke

Auch wenn die Befürchtung, dass Eiswasser den Körper zusätzlich aufheizt, wissenschaftlich nicht haltbar ist, gibt es andere, gut belegte Risiken:

Magenprobleme und gestörte Flüssigkeitsaufnahme: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weist darauf hin, dass eiskalte Getränke Magenschmerzen verursachen können. Das ist problematisch, weil Beschwerden im Magen-Darm-Trakt die Flüssigkeitsaufnahme behindern. An einem heißen Tag muss man genug trinken – wenn man sich wegen zu kalter Getränke unwohl fühlt, trinkt man automatisch weniger. Dasselbe gilt übrigens für zu schnelles Trinken und für zu große Mengen auf einmal.

Verlangsamtes Trinkverhalten: Sehr kalte Getränke verlangsamen nachweislich das Trinkverhalten. Das mag kontraintuitiv klingen, weil sich ein kaltes Getränk als befriedigender anfühlt und den Durst scheinbar schneller stillt – doch genau das ist das Problem. Das Durstgefühl wird durch die Kälte im Mund und Rachen rascher gedämpft, bevor tatsächlich genug Flüssigkeit aufgenommen wurde. Wer bei Hitze ohnehin schon zu wenig trinkt, riskiert dadurch eine Dehydration.

Reizdarmsyndrom und empfindlicher Magen: Eine Studie an 60 Patienten mit Reizdarmsyndrom zeigte, dass das Trinken von sehr kaltem Wasser (4 Grad Celsius) die Verdauungsempfindlichkeit erhöhte und Symptome wie Bauchschmerzen und Blähungen verschlimmerte. Menschen mit empfindlichem Magen-Darm-Trakt sollten also auch im Sommer eiskalte Getränke meiden.

Das falsche Kältesignal: Eiskalte Getränke können im Körper ein falsches Signal auslösen. Wenn die Kälterezeptoren im Mund und Rachen plötzlich extreme Kälte melden, kann das kurzfristig die Schweißproduktion drosseln – obwohl der Körper eigentlich weiter kühlen müsste. Der Körper bekommt also ein kurzes Signal: „Es ist kalt, keine Notwendigkeit zum Schwitzen.“ Das ist zwar kein dramatischer Effekt, aber bei extremer Hitze nicht ideal.


Was ist mit der Temperaturregulation? Ein Blick hinter die Kulissen

Die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung fasst es klar zusammen: „Der Körper reguliert seine Temperatur unabhängig von der Temperatur der Getränke.“ Das bedeutet: Die Kerntemperatur von 37 Grad wird der Körper in jedem Fall anstreben – egal ob man heiß oder kalt trinkt. Getränketemperatur ist ein vergleichsweise kleiner Faktor im großen System der Thermoregulation.

Das große System besteht aus Schwitzen, Hautdurchblutung, Atemfrequenz und anderen Mechanismen. Was Getränke primär tun: Sie gleichen den Flüssigkeitsverlust aus. Und genau das ist ihre Hauptaufgabe bei Hitze.


Warum in heißen Ländern oft lauwarm getrunken wird – und was wirklich dahintersteckt

In China, Indien oder auch in arabischen Ländern ist es verbreitet, bei großer Hitze lauwarmen oder heißen Tee zu trinken. Das wirkt auf uns Europäer seltsam – aber es hat verschiedene Erklärungen, die nicht alle mit Thermoregulation zu tun haben.

Erstens ist abgekochtes Wasser in vielen dieser Länder hygienisch sicherer als kaltes Leitungswasser. Der kulturelle Brauch des heißen Tees hat also historisch zunächst hygienetechnische Gründe.

Zweitens enthält Minztee, der in arabischen Ländern oft getrunken wird, Menthol. Menthol stimuliert die Kältereceptoren des Körpers, wodurch sich die Außentemperatur subjektiv angenehmer anfühlt – unabhängig von der tatsächlichen Körpertemperatur.

Drittens: In sehr trockenen Regionen kann heißes Trinken tatsächlich mehr Schwitzen anregen, was bei trockener Luft einen (kleinen) Kühlvorteil verschaffen kann.

Drittens, und vielleicht am wichtigsten: Das Gewohnheitsprinzip. Wer sein Leben lang bei Hitze heißen Tee getrunken hat, kennt es nicht anders und empfindet es als erfrischend – weil das Gehirn das Signal kennt und entsprechend reagiert.


Die optimale Temperatur: Was Experten wirklich empfehlen

Weder Eiswasser noch heißer Tee ist die absolute Antwort. Die Forschungslage legt nahe:

Getränke zwischen 10 und 16 Grad Celsius sind bei Hitze – insbesondere bei körperlicher Aktivität – optimal. Sie sind kühl genug, um ein Frischegefühl zu erzeugen und die Körperkerntemperatur leicht zu senken, ohne aber die negativen Effekte von Eiswasser (Magen-Darm-Reizung, falsches Kältesignal, verlangsamtes Trinken) zu erzeugen.

Zimmertemperaturfähiges Wasser oder leicht gekühltes Mineralwasser ist für die meisten Menschen an einem heißen Tag eine gute Wahl – vor allem dann, wenn man nicht aktiv Sport treibt.

Eiswasser direkt aus dem Gefrierstein sollte man vermeiden, besonders wenn man ohnehin einen empfindlichen Magen hat oder gerade intensiv schwitzt.


Elektrolyte: Der oft vergessene Faktor

Bei der ganzen Diskussion über Temperatur wird ein entscheidender Aspekt häufig vernachlässigt: Elektrolyte. Wer stark schwitzt, verliert nicht nur Wasser, sondern auch Natrium, Kalium, Magnesium und andere Mineralstoffe. Wer dann ausschließlich große Mengen reines Wasser trinkt, kann dadurch sogar die verbleibenden Elektrolyte im Blut noch weiter verdünnen – mit Folgen wie Kopfschmerzen, Schwäche oder im Extremfall Hyponatriämie (Natriumunterschuss im Blut).

Deshalb empfehlen Experten bei längerem Aufenthalt in starker Hitze oder bei Sport: Wasser mit Elektrolyten. Das kann ein Mineralwasser mit hohem Natriumgehalt sein, ein Elektrolytgetränk, aber auch schlicht das Essen einer gesalzenen Mahlzeit zum Trinken.

Alkohol scheidet übrigens komplett als Durstlöscher aus: Er regt die Flüssigkeitsausscheidung über die Nieren an und verstärkt damit die Dehydration, statt sie zu bekämpfen. Das berühmte Bier im Biergarten mag sich erfrischend anfühlen – dem Körper hilft es bei Hitze nicht.


Wer besonders aufpassen muss

Nicht jeder Körper reagiert gleich. Besondere Vorsicht ist geboten bei:

Älteren Menschen: Das Durstgefühl lässt im Alter nach. Ältere Menschen bemerken häufig nicht, dass sie dehydrieren – und greifen im Zweifel auch seltener zu Getränken. Hier ist das regelmäßige Trinken, unabhängig vom Durstgefühl, besonders wichtig. Eiskalte Getränke, die das Durstgefühl noch weiter dämpfen, sind deshalb für ältere Menschen nicht ideal.

Kleinkindern: Ihr Körper reguliert die Temperatur noch nicht so effizient wie der eines Erwachsenen. Eiskalte Getränke können bei Säuglingen und Kleinkindern Magen-Darm-Beschwerden auslösen.

Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Extreme Temperaturschwankungen durch sehr kalte Getränke können kurzfristig den Kreislauf belasten.

Menschen mit Reizdarmsyndrom oder Magenproblemen: Für sie sollten eiskalte Getränke – wie oben beschrieben – grundsätzlich gemieden werden.


Praktische Empfehlungen für den Alltag

Was sollte man also konkret tun, wenn die Temperaturen steigen?

Trinken, bevor man durstig wird. Durst ist ein Zeichen, dass der Körper schon leicht dehydriert ist. Wer regelmäßig trinkt, vermeidet Kreislaufprobleme, Kopfschmerzen und Leistungsabfall.

Leicht gekühlte Getränke bevorzugen. Wasser, das im Kühlschrank steht, aber nicht gerade dem Gefrierpunkt nahegekommen ist, ist ideal. Richtgröße: 10 bis 15 Grad.

Eiswürfelorgien vermeiden. Ein Glas voll Eiswürfeln mit etwas Wasser obendrauf, wie es in Nordamerika verbreitet ist, ist für Magen und Trinkmenge suboptimal.

Wasser bevorzugen – oder ungesüßte Tees. Zuckerhaltige Limonaden, Säfte und Eistees aus dem Handel mögen erfrischend schmecken, liefern aber viel Zucker und keinen wesentlichen Hydratationsvorteil. Wasser bleibt das beste Grundgetränk, gefolgt von ungesüßten Kräuter- oder Früchtetees.

Mineralwasser mit Elektrolyten wählen. Wer viel schwitzt, profitiert von Wasser mit einem höheren Natrium- und Magnesiumgehalt.

Wasserreiche Lebensmittel nicht vergessen. Melone, Gurke, Erdbeeren und Tomaten bestehen zu einem großen Teil aus Wasser und unterstützen die Hydration auf natürliche Weise.

Auf Alkohol und übermäßig koffeinhaltigen Getränke in großen Mengen verzichten. Beides begünstigt Flüssigkeitsverluste. Kaffee in moderaten Mengen ist allerdings weniger problematisch, als oft behauptet: Eine Meta-Studie von 2003 zeigte, dass moderater Kaffeekonsum die Flüssigkeitsbilanz kaum beeinflusst.


Das Fazit: Kein Schwarz-Weiß, sondern Nuancen

Die Frage, ob eisgekühlte Getränke bei Hitze das Richtige oder kontraproduktiv sind, hat keine einfache Antwort. Wer behauptet, eiskaltes Wasser sei generell schädlich bei Hitze, übertreibt – die These, der Körper heize sich dadurch auf, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Wer umgekehrt sagt, eiskaltes Trinken sei immer gut, ignoriert echte Risiken für Magen, Trinkverhalten und Durstwahrnehmung.

Die differenzierte Wahrheit lautet: Leicht gekühlte Getränke sind bei Hitze sinnvoll und können – besonders beim Sport – die Leistungsfähigkeit verbessern. Echter Eiswasser-Konsum mit Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt ist dagegen für die meisten Menschen nicht ideal: Er reizt Magen und Darm, dämpft das Durstgefühl zu früh und signalisiert dem Körper kurzfristig eine Kälte, die nicht der Realität entspricht.

Entscheidend ist am Ende nicht, wie kalt dein Getränk ist. Entscheidend ist, dass du überhaupt genug trinkst. Denn Dehydration ist bei Hitze das eigentliche Risiko – und das lässt sich am besten durch regelmäßiges, gleichmäßiges Trinken über den ganzen Tag verhindern. Ob das Glas dabei 8 oder 18 Grad hat, ist in den meisten Alltagssituationen zweitrangig.

Der Kühlschrank darf also im Sommer weiterhin Getränke bereithalten. Nur die Eiswürfelsäcke für das amerikanische Vollglas-Eis kann man getrost stehen lassen.


Quellen: Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Physiologisches Institut der Universität Gießen, Spektrum der Wissenschaft, ÖKO-TEST, Medicine and Science in Sports and Exercise, Comprehensive Physiology

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