Bei Verstoß drohen empfindliche Bußgelder
Wer in den Urlaub fährt, packt fast automatisch Sonnencreme ein. Was die meisten Reisenden nicht wissen: In immer mehr beliebten Urlaubsregionen weltweit ist der Gebrauch bestimmter Sonnencremes am Strand oder im Wasser verboten – und wer erwischt wird, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Der Hintergrund ist ernst: Bestimmte chemische UV-Filter in handelsüblichen Sonnenschutzmitteln schädigen Korallenriffe nachweislich. Weltweit reagieren Regierungen mit strengen Gesetzen. Ein Überblick über die wichtigsten Verbotszonen.
Warum ist Sonnencreme in manchen Ländern verboten?
Das Problem liegt in den chemischen Inhaltsstoffen vieler handelsüblicher Sonnenschutzmittel. Schätzungen zufolge gelangen jedes Jahr rund 14.000 Tonnen Sonnencreme ins Meer – besonders an touristisch stark frequentierten Stränden. Bestimmte Stoffe davon sind hochgiftig für Meereslebewesen.
Im Fokus stehen vor allem diese vier Substanzen:
- Oxybenzon (Benzophenon-3) – schädigt die DNA von Korallen, macht sie anfälliger für Korallenbleiche, stört Hormonsysteme von Meereslebewesen
- Octinoxat (Ethylhexylmethoxycinnamat) – fördert die Korallenbleiche, tötet Korallenlarven ab
- 4-Methylbenzylidencampher (4-MBC) – wirkt wie ein Umwelthormon, schädigt das Fortpflanzungssystem von Meeresorganismen
- Butylparaben – ein Konservierungsmittel, das das Wachstum von Korallen hemmt
Wissenschaftlich belegt ist: Diese Verbindungen zerstören die sogenannten Zooxanthellen – einzellige Algen, die in Symbiose mit Korallenpolypen leben und ihnen Farbe sowie Energie liefern. Ohne diese Algen bleichen Korallen aus und sterben ab. Oxybenzon kann zudem erwachsene männliche Fische in weibliche Fische verwandeln und schwere Entwicklungsstörungen bei Meereslebewesen auslösen.
Thailand: Verbot in allen 26 Meeresnationalparks
Thailand hat in sämtlichen marinen Nationalparks Sonnencremes verboten, die die oben genannten vier Wirkstoffe enthalten. Das Verbot gilt in allen 26 Meeresnationalparks des Landes, darunter so beliebte Ziele wie:
- Koh Similan (Similan-Inseln)
- Ang Thong Marine National Park
- Surin Islands
- Ao Phang Nga
Wer mit einer verbotenen Sonnencreme erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von bis zu 100.000 Baht rechnen – das entspricht umgerechnet etwa 2.500 bis 2.600 Euro. Die Behörden verweisen als Alternative auf zinkbasierte, mineralische Sonnencremes ohne die genannten Chemikalien.
Thailand hatte zuvor bereits einzelne Strände vollständig geschlossen, weil die Korallen so stark beschädigt waren, dass Erholungszeiten ohne Tourismus notwendig wurden – darunter zeitweise der berühmte Maya Bay auf Koh Phi Phi.
Tipp für Thailand-Reisende: Vor der Abreise die Inhaltsstoffe der mitgebrachten Sonnencreme prüfen. Weder Oxybenzon, Octinoxat, 4-MBC noch Butylparaben darf enthalten sein. Mineralische Produkte auf Basis von Zinkoxid oder Titandioxid sind zulässig.
Hawaii: Erster US-Bundesstaat mit gesetzlichem Sonnencreme-Verbot
Hawaii hat als erster US-Bundesstaat ein landesweites Gesetz zum Schutz seiner Korallenriffe erlassen. Seit dem 1. Januar 2021 ist auf Hawaii der Verkauf von Sonnenschutzmitteln verboten, die Oxybenzon oder Octinoxat enthalten. Das Gesetz gilt für den gesamten Bundesstaat.
Die Dimension des Problems ist enorm: Allein auf der Insel Maui landen Schätzungen zufolge täglich rund 210 Liter Sonnencreme im Meer. Die Korallenriffe rund um die Insel sind in den vergangenen Jahrzehnten auf teils weniger als die Hälfte ihrer ursprünglichen Ausdehnung geschrumpft.
Einzelne Inseln gehen noch weiter:
- Maui County (inklusive Maui, Molokaʻi, Lānaʻi) sowie das Big Island verbieten seit 2022 generell alle nicht-mineralischen Sonnencremes – also nicht nur den Verkauf, sondern auch die Anwendung am Strand und im Wasser.
In Hawaii sind Sonnencremes mit mineralischen Filtern (Zinkoxid, Titandioxid) weiterhin erlaubt. UV-Schutzkleidung wird als zusätzliche Alternative empfohlen, insbesondere für Schnorchler und Taucher.
Palau: Weltweit erstes vollständiges Sonnencreme-Verbot
Der kleine Pazifikstaat Palau war weltweit der erste Staat, der ein umfassendes gesetzliches Verbot von riffschädlichen Sonnencremes durchgesetzt hat. Das Gesetz – der Responsible Tourism Education Act of 2018 – trat am 1. Januar 2020 in Kraft.
Verboten sind in Palau gleich zehn verschiedene Inhaltsstoffe, darunter neben Oxybenzon auch Octocrylen, Avobenzone und weitere chemische UV-Filter und Konservierungsstoffe. Wer verbotene Sonnencreme nach Palau einführt, verkauft oder zum Verkauf anbietet, muss mit einem Bußgeld von bis zu 1.000 US-Dollar (rund 890 Euro) rechnen. Die Mittel können an der Grenze beschlagnahmt werden.
Palau liegt im westlichen Pazifik zwischen Australien und Japan und gilt als eines der besten Tauchgebiete der Welt. Rund 100.000 Touristen besuchen die 350 Inseln jährlich. Gleichzeitig hat Palau rund 80 Prozent seiner Wirtschaftszone zum Meeresschutzgebiet erklärt – eines der größten der Welt.
Karibik: Bonaire, Aruba und die US-Jungferninseln
Auch in der Karibik haben mehrere Inseln Verbote erlassen oder entsprechende Regelungen eingeführt:
Bonaire und Aruba, zwei Karibikinseln vor der Küste Venezuelas, haben strenge Regelungen zum Schutz ihrer Korallenriffe eingeführt. Der Gebrauch von Sonnencremes mit Oxybenzon, Octinoxat und ähnlichen Substanzen ist dort untersagt.
Auf den US-amerikanischen Jungferninseln sind Sonnencremes mit den Inhaltsstoffen Oxybenzon, Octinoxat und Octocrylen verboten.
In Key West (Florida) bestehen ebenfalls lokale Verbote für Sonnenschutzmittel mit Oxybenzon und Octinoxat – auch hier zum Schutz des Florida Reef, dem zweitgrößten Korallenriff der Welt.
Mexiko: Empfehlungen und lokale Regeln
In mexikanischen Urlaubsregionen wie Tulum und der Riviera Maya gibt es zwar (Stand 2025) kein landesweites gesetzliches Verbot, aber in vielen Hotels, Zonen und Naturschutzgebieten wird aktiv auf den Verzicht chemischer Sonnencremes hingewiesen. In einigen Cenoten und Naturschutzgebieten ist der Eintritt ohne riffschonende Sonnencreme schlicht verwehrt. Mexiko war zudem eines der ersten Länder überhaupt, das an einzelnen UNESCO-Weltnaturerbestätten entsprechende Regelungen eingeführt hatte.
Was ist erlaubt – und was nicht?
Als unbedenkliche Alternative zu chemischen Sonnenschutzmitteln gelten mineralische Sonnencremes auf Basis von Zinkoxid oder Titandioxid. Diese bilden einen Schutzfilm auf der Haut, der UV-Strahlen reflektiert, ohne chemisch in die Haut einzudringen. Viele Produkte tragen mittlerweile Kennzeichnungen wie:
- „Reef Safe“ (riffverträglich)
- „Korallenfreundlich“
- „Konform mit dem Hawaii Riff-Gesetz“
Wichtiger Hinweis: Diese Aufdrucke sind nicht gesetzlich geschützt und bedeuten nicht automatisch, dass alle problematischen Substanzen fehlen. Im Zweifel hilft nur der Blick auf die vollständige INCI-Liste (Inhaltsstoffangabe) auf der Verpackung.
Fazit: Vor der Reise prüfen lohnt sich
Die Liste der Länder und Regionen mit Sonnencreme-Verboten wächst. Wer in einen der betroffenen Urlaubsorte reist – sei es Thailand, Hawaii, Palau oder die Karibik – sollte seine Sonnenschutzmittel rechtzeitig vor der Abreise überprüfen. Die Bußgelder sind empfindlich, und in einigen Ländern kann verbotene Sonnencreme direkt an der Grenze eingezogen werden.
Für Schnorchler und Taucher empfiehlt sich ohnehin UV-Schutzkleidung als wirkungsvollste Alternative – gut für Mensch und Riff.
Quellen: Deutsche Stiftung Meeresschutz, Check24 Reisemagazin, Euronews, Deutsches Ärzteblatt, Stiftung Meeresschutz, Responsible Tourism Education Act of Palau 2018
Symbolbild: KI

