Langer Prozess findet erstes Ende
Das Urteil ist gefallen: Daniela Klette, ehemaliges Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF), muss für 13 Jahre ins Gefängnis. Das zuständige Gericht sprach die 67-Jährige schuldig – ein Kapitel bundesdeutscher Kriminalgeschichte findet damit seinen juristischen Abschluss, zumindest in Teilen.
Raubüberfälle zur Finanzierung des Untergrundlebens
Der Verurteilung lagen keine politisch motivierten Anschläge aus der Hochzeit des RAF-Terrors zugrunde, sondern Taten, die sich zwischen 1999 und 2016 ereigneten – also lange nach der offiziellen Auflösung der RAF. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Klette in diesem Zeitraum gemeinsam mit Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub bewaffnete Raubüberfälle beging. Beide Männer sind nach wie vor auf der Flucht.
Das Ziel der Überfälle war offenbar kein politisches Manifest, sondern schlichtes Überleben: Die Täter sollen das erbeutete Geld genutzt haben, um ihr Leben im Verborgenen zu finanzieren. Ins Visier gerieten dabei Geldtransporter sowie Kassenbüros großer Supermärkte.
Staatsanwaltschaft forderte mehr, Verteidigung forderte Freispruch
Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren gefordert – unter anderem aufgrund eines mutmaßlichen versuchten Mordes. Das Gericht blieb mit seinen 13 Jahren hinter dieser Forderung zurück.
Die Verteidigung hingegen hatte auf Freispruch in allen Anklagepunkten rund um die Überfälle plädiert – ohne Erfolg.
Wie und wo wurde Daniela Klette festgenommen?
Die Festnahme der seit über 30 Jahren gesuchten RAF-Terroristin Daniela Klette ereignete sich am Abend des 25. Februar 2024 in der Sebastianstraße 73 in Berlin-Kreuzberg – und zwar zwischen 21 und 22 Uhr. Beamte des Landeskriminalamts Niedersachsen führten den Zugriff durch, unterstützt von der örtlichen Berliner Polizei. Dem Zugriff vorangegangen war ein entscheidender Hinweis aus der Bevölkerung, der bereits im November 2023 beim LKA eingegangen war, wie Friedo de Vries, Präsident des Landeskriminalamts Niedersachsen, auf einer anschließenden Pressekonferenz bekanntgab.
Die Beamten trafen Klette in der Wohnung an. Sie leistete keinerlei Widerstand bei ihrer Festnahme. In ihrer Wohnung fanden Ermittler ein automatisches Sturmgewehr, Sprengstoff und größere Bargeldmengen. Außerdem stellten die Beamten zwei Pistolenmagazine sowie Munition sicher. Identifiziert wurde Klette über ihre Fingerabdrücke. Ihren Nachbarn hatte sie sich unter dem Vornamen Claudia vorgestellt – und lebte unter dem falschen italienischen Namen Claudia Ivone.
Die Polizei bezeichnete die Festnahme als einen „Meilenstein“, da Klette zu den meistgesuchten Personen in Europa zählte und offenbar rund 20 Jahre lang unentdeckt in dem Berliner Szenebezirk gelebt hatte. Seit dem 27. Februar 2024 befindet sie sich auf Grundlage eines Haftbefehls des Amtsgerichts Verden in Untersuchungshaft.
Wie viel Belohnung erhielt der Hinweisgeber auf Daniela Klette?
Nach Informationen von NDR Hallo Niedersachsen erhielt der Tippgeber, der zur Festnahme von Daniela Klette beigetragen hatte, eine Belohnung von 25.564,60 Euro. Das Bundeskriminalamt (BKA) zahlte die Summe nach eingehender Prüfung der Hinweise aus.
Der Betrag entspricht dabei der ursprünglich in D-Mark ausgelobten Belohnung von seinerzeit 50.000 DM – umgerechnet in Euro ergibt sich daraus der ausgezahlte Betrag. Dass die Prämie noch auf dem Niveau einer jahrzehntealten DM-Auslobung lag, löste in der Öffentlichkeit einige Verwunderung aus, da die reale Kaufkraft des Betrags im Vergleich zu den 1990er Jahren deutlich gesunken ist.
Angaben zur Identität des Hinweisgebers machte das BKA ausdrücklich nicht – mit Verweis auf die Wahrung schutzwürdiger Interessen.
Ein Fall, der Deutschland jahrzehntelang beschäftigte
Daniela Klette war im Februar 2024 nach jahrzehntelanger Fahndung in Berlin festgenommen worden. Ihr Untertauchen nach dem Ende der RAF galt als eines der größten offenen Rätsel der deutschen Strafverfolgungsgeschichte. Mit dem Urteil endet zumindest für sie die Zeit der Straflosigkeit – während ihre mutmaßlichen Komplizen Garweg und Staub weiterhin flüchtig sind. Da Rechtsmittel seitens der Verteidigung angekündigt wurden, dürfte es in nächster Instanz weitergehen.
Muss Daniela Klette sich noch wegen der eigentlichen RAF-Straftaten verantworten?
Das Landgericht Verden verurteilte Daniela Klette am 27. Mai 2026 zu 13 Jahren Haft – wegen schweren Raubes, versuchten schweren Raubes, erpresserischen Menschenraubes, schwerer räuberischer Erpressung sowie Verstößen gegen das Waffengesetz. In diesem Prozess ging es ausschließlich um die Raubüberfälle nach der RAF-Auflösung – also um Taten, die der RAF selbst nicht zugerechnet werden.
Doch damit ist die juristische Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen. Klette droht ein weiteres Gerichtsverfahren wegen Verbrechen, die sie in ihrer aktiven RAF-Zeit begangen haben soll. Die Bundesanwaltschaft legt ihr die Mittäterschaft bei drei RAF-Anschlägen zwischen 1990 und 1993 zur Last. Dabei geht es konkret um den Anschlag auf das Rechenzentrum der Deutschen Bank 1990, die Aktion gegen die US-Botschaft in Bonn 1991 sowie die Sprengung der im Bau befindlichen JVA Weiterstadt 1993.
Ein zweiter Prozess soll ab Herbst 2026 vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main stattfinden. Der Staatsschutzsenat des OLG Frankfurt muss jedoch zunächst entscheiden, ob und wann es zu diesem Prozess kommt – die Zulassung der Anklage steht noch aus. Die Mitgliedschaft in der linksterroristischen Vereinigung RAF selbst ist mittlerweile verjährt. Der Vorwurf des versuchten Mordes in Zusammenhang mit den drei Anschlägen jedoch nicht — weshalb Daniela Klette trotz ihres Alters von 67 Jahren möglicherweise noch einen zweiten, langwierigen Strafprozess vor sich hat.
Bild: KI
