Freiburg im Breisgau ist eine der schönsten Städte Deutschlands. Aber auch eine der teuersten. Immer mehr Rentnerinnen und Rentner fragen sich: Kann ich mir das Leben hier noch leisten – und gibt es Alternativen? Eine davon heißt Gran Canaria.
Du kennst das Gefühl: Du hast dein Leben lang gearbeitet, in die Rentenkasse eingezahlt, und jetzt, im wohlverdienten Ruhestand, reicht das Geld in Freiburg hinten und vorne kaum. Die Mieten steigen, die Nebenkosten auch, und der Freiburger Wohnungsmarkt gehört zu den teuersten in ganz Deutschland. Gleichzeitig hörst du Geschichten von Menschen, die auf einer Insel im Atlantik leben, jeden Tag Sonne sehen und mit ihrer deutschen Rente gut über die Runden kommen. Klingt nach einem Märchen? Ist es nicht. Dieser Artikel zeigt dir, was wirklich dahintersteckt – sachlich, faktenbasiert und ohne falsche Versprechen.
Wohnen in Freiburg: Teurer als je zuvor
Freiburg ist wunderschön. Der Münstermarkt, der Schwarzwald vor der Haustür, das milde Klima, die Bächle in der Altstadt – die Stadt hat vieles zu bieten. Aber sie hat auch einen Haken: Der durchschnittliche Mietpreis der letzten zwölf Monate für Freiburg liegt bei 14,45 Euro pro Quadratmeter. Das klingt zunächst abstrakt. Konkret bedeutet es: Eine 70-Quadratmeter-Wohnung in Freiburg kann eine Kaltmiete von über 1.000 Euro pro Monat haben.
Das ist die Kaltmiete – ohne Heizung, ohne Strom, ohne Wasser. In besonders beliebten Stadtteilen wie Unterwiehre-Süd oder Herdern-Nord liegen die Preise nochmals deutlich darüber – bei bis zu 15,91 beziehungsweise 15,95 Euro pro Quadratmeter. Und die Entwicklung zeigt nach oben: Im ersten Quartal 2025 lag der Mietpreis noch bei 13,81 Euro pro Quadratmeter – ein Jahr später bereits bei 14,49 Euro, was einem Anstieg von knapp fünf Prozent entspricht. Bei Neuvermietungen und Neubauten wird es deutlich teurer.
Für Rentnerinnen und Rentner mit einer durchschnittlichen gesetzlichen Rente ist das eine echte Herausforderung. Wer mit 1.200 oder 1.400 Euro Rente im Monat in Freiburg lebt, gibt allein für die Kaltmiete einer kleinen Wohnung oft mehr als die Hälfte seines Einkommens aus. Hinzu kommen Heizung, Strom, Lebensmittel, Krankenkassenbeitrag, Mobilität. Das Geld wird knapp.
Gran Canaria: Die Insel des ewigen Frühlings
Etwa 2.800 Kilometer südwestlich von Freiburg, mitten im Atlantik, liegt Gran Canaria – eine spanische Insel, die zur Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln gehört und damit vollständig zur Europäischen Union zählt. Und genau das ist wichtig, wie du noch sehen wirst.
Was Gran Canaria von fast jedem anderen europäischen Auswanderungsziel unterscheidet, ist das Klima. Das Klima auf Gran Canaria ist ganzjährig mild mit einer Jahresmitteltemperatur von 20,9 Grad Celsius, sommerlichen Höchstwerten bis 28 Grad und milden Wintern um 18 Grad. Über 300 Sonnentage im Jahr, angenehme Durchschnittstemperaturen und nur wenige Regentage machen die Insel zu einem attraktiven Ganzjahresziel.
Das bedeutet in der Praxis: Während du in Freiburg im Januar die Heizung aufdrehst, Jacke und Schal anziehst und im Dunkeln frühstückst, sinkt die Temperatur auf Gran Canaria selbst im kühlsten Monat des Jahres nur selten unter 15 Grad. Der Januar gilt als der kühlste Monat – mit maximalen Tagestemperaturen von etwa 21 Grad.
Im Sommer dreht sich das Bild ebenfalls zugunsten der Insel: Im Süden Gran Canarias sorgt das subtropische Klima für ganzjährig angenehme Temperaturen zwischen 20 und 29 Grad am Tage. Das Wetter ist sehr konstant und ausgeglichen. In den Sommermonaten fällt nahezu kein Regen, selbst im Herbst und Winter bleibt es mit Tageswerten über 20 Grad sehr mild.
Die Kanarischen Inseln werden nicht umsonst als „Inseln des ewigen Frühlings“ bezeichnet. Es ist kein Werbeslogan, sondern gelebte meteorologische Realität. Und für Rentnerinnen und Rentner, denen Wärme, Sonne und ein aktives Outdoor-Leben wichtig sind, ist das ein gewichtiges Argument.
Was kostet das Wohnen auf Gran Canaria wirklich?
Hier wird es interessant – und auch ehrlich, denn Gran Canaria ist nicht mehr das Schnäppchen-Paradies vergangener Jahrzehnte. Die Mieten sind in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Laut einem aktuellen Bericht hat der durchschnittliche Mietpreis für Wohnraum auf den Kanarischen Inseln einen Rekordwert von 1.155 Euro pro Monat erreicht. In der Provinz Las Palmas (zu der Gran Canaria gehört) liegen die Mieten im Durchschnitt bei 1.128 Euro pro Monat.
Das klingt auf den ersten Blick nicht viel günstiger als Freiburg. Aber: Dieser Wert ist ein Durchschnitt über alle Wohnungsgrößen und Lagen – und verbirgt erhebliche regionale Unterschiede. Die günstigsten Wohnorte auf Gran Canaria sind Telde, Vecindario, Agüimes und Ingenio im Osten der Insel. Dort kosten Zwei-Zimmer-Wohnungen zwischen 500 und 750 Euro im Monat. Laut Numbeo kostet eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Zentrum von Las Palmas etwa 858 Euro im Monat; außerhalb des Zentrums zahlt man für eine vergleichbare Wohnung nur rund 700 Euro.
Damit liegt Gran Canaria – zumindest abseits der touristischen Hochburgen im Süden – teils deutlich unter den Freiburger Mietpreisen. Wer bereit ist, in Vierteln zu leben, wo keine Urlauber ihr Geld lassen, kann tatsächlich spürbar günstiger wohnen als in Freiburg.
Ein weiterer entscheidender Vorteil: die Nebenkosten. Die Nebenkosten sind auf Gran Canaria viel niedriger als in Deutschland. Laut Numbeo zahlen Mieter für eine 85-Quadratmeter-Wohnung etwa 92 Euro im Monat für Strom, Wasser und Müll. Und das Entscheidende: Heizkosten fallen keine an, denn die Temperaturen sinken selbst im Winter selten unter 15 Grad. In Freiburg hingegen können allein die Heizkosten im Winter mehrere Hundert Euro im Monat ausmachen.
Auch bei den Lebensmitteln sieht es günstiger aus: Die Preise für Essen liegen auf Gran Canaria laut Numbeo etwa 16 Prozent unter dem deutschen Schnitt. Dazu kommt ein steuerlicher Vorteil, der auf dem Festland in Spanien nicht gilt: Die Steuer auf den Kanaren (IGIC) beträgt nur 7 Prozent, während Deutschland 19 Prozent verlangt. Dadurch sind viele Waren günstiger.
Was darf eine vernünftige Kalkulation erwarten? Ein in Las Palmas lebender Auswanderer gibt als Single insgesamt etwa 1.450 Euro pro Monat aus – und lebt damit gut und kann auch mal ins Restaurant gehen. Für zwei Personen auf Gran Canaria solltest du mit 1.500 bis 3.500 Euro pro Monat rechnen, je nach Anspruch und Standort.
Deine Rente kommt mit – das musst du wissen
Jetzt die entscheidende Frage: Kannst du deine deutsche Rente einfach nach Gran Canaria überweisen lassen? Die Antwort ist klar: Ja.
Grundsätzlich wird die deutsche Rente in Spanien vom zuständigen deutschen Rentenversicherungsträger weiterhin ausgezahlt. Die entsprechenden Rechtsgrundlagen sind die EU-Verordnungen Nr. 1408/71 und Nr. 574/72.
Ziehst du dauerhaft in ein Land der Europäischen Union, nach Island, Liechtenstein, Norwegen oder in die Schweiz, bekommst du ebenfalls die volle Rente. Da Gran Canaria als Teil Spaniens zur EU gehört, gilt das selbstverständlich auch für die Insel.
Eine Überweisung auf ein Bankkonto ist aus Sicht der Deutschen Rentenversicherung der sicherste und schnellste Weg für die Auszahlung der Rente. Eine Überweisung ist nahezu in alle Länder der Welt möglich. Du kannst wählen, ob du das Geld auf dein deutsches Konto oder direkt auf ein spanisches Konto überweisen lässt. Ein spanisches Konto erleichtert den Alltag erheblich, da du damit Miete, Strom und andere Rechnungen bequem bezahlen kannst.
Was du vor dem Umzug unbedingt klären solltest: die steuerliche Situation. Spanien und Deutschland haben ein Doppelbesteuerungsabkommen. Die meisten gesetzlichen Renten werden in Deutschland versteuert. In Spanien musst du dein Welteinkommen aber trotzdem angeben. Es empfiehlt sich daher, vor dem Umzug einen auf Auswanderer spezialisierten Steuerberater zu konsultieren.
Krankenversicherung: Was gilt im EU-Ausland?
Ein häufiges Missverständnis: Viele denken, sie verlieren mit dem Umzug ins Ausland ihren deutschen Krankenversicherungsschutz. Das stimmt so nicht. Als deutscher Rentner in Spanien bleibst du in der deutschen Krankenversicherung versichert und kannst das spanische Gesundheitssystem in Anspruch nehmen. Dafür benötigst du eine Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) oder das Formular S1 von deiner deutschen Krankenkasse.
Das S1-Formular ist dabei besonders wichtig: Es bescheinigt der spanischen Gesundheitsbehörde, dass deine Krankenversicherungskosten von Deutschland übernommen werden. Das bedeutet: Du kannst als Rentner die staatliche spanische Gesundheitsversorgung nutzen, ohne dafür extra zu bezahlen.
Wer eine private Zusatzversicherung möchte, zahlt zwischen 50 und 150 Euro im Monat, je nach Alter und Leistung. Eine Zusatzversicherung für Zähne kostet etwa 20 bis 40 Euro im Monat. Außerdem sind Medikamente auf den Kanaren oft günstiger als in Deutschland, weil die dortige Steuer niedriger ist.
Formalitäten: Was du vor dem Umzug erledigen musst
Du willst dauerhaft nach Gran Canaria ziehen? Dann gibt es einige praktische Dinge zu klären – aber weniger als du vielleicht denkst, denn als EU-Bürger hast du das Recht, ohne Visum dauerhaft in Spanien zu leben.
NIE-Nummer: Das Erste, was du benötigst, ist die sogenannte Número de Identificación de Extranjero – kurz NIE. Das ist die spanische Steueridentifikationsnummer für Ausländer, die du für Mietverträge, Bankkonten und fast alle Behördengänge brauchst. Die NIE-Nummer kostet etwa 15 Euro und die Bearbeitung dauert zwei bis vier Wochen.
Bankkonto: Ein spanisches Bankkonto ist keine Pflicht, aber sehr praktisch. Die meisten spanischen Banken bieten Konten für Ausländer an. Alternativ eignen sich internationale Neobanken wie N26 oder die DKB für SEPA-Überweisungen ohne Auslandsgebühren.
Anmeldung: Wer dauerhaft in Spanien lebt, muss sich im Padrón (dem spanischen Einwohnermelderegister) der jeweiligen Gemeinde anmelden.
Lebensbescheinigung: Die Deutsche Rentenversicherung verlangt regelmäßig den Nachweis, dass du noch lebst – eine sogenannte Lebensbescheinigung. Die kannst du in Spanien beim deutschen Konsulat oder bei bestimmten spanischen Behörden ausstellen lassen. Rentner unterliegen weiterhin Mitteilungs- und Nachweispflichten gegenüber der Deutschen Rentenversicherung. Dazu zählen Adressänderungen, Bankverbindungen, Aufenthaltsstatus und Lebensbescheinigungen.
Startkapital: Auswanderer sollten 3.000 bis 5.000 Euro für den Start einplanen. Dazu gehören die Kaution (meist zwei Monatsmieten), die Maklergebühr (eine Monatsmiete) sowie die erste Einrichtung.
Nord oder Süd? Die richtige Lage auf Gran Canaria wählen
Gran Canaria ist nicht gleich Gran Canaria. Die Insel hat zwei klar verschiedene Klimazonen, und die Entscheidung für Nord oder Süd hat erhebliche Auswirkungen auf deinen Alltag und deine Ausgaben.
Der Süden – mit Orten wie Maspalomas, Playa del Inglés und Puerto Rico – ist die klassische Touristenregion. Hier ist es am trockensten und sonnigsten, die Strände sind spektakulär, und der internationale Flair ist ausgeprägt. Aber: Die Mieten sind hier am höchsten, und der Alltag ist stark vom Tourismus geprägt.
Der Norden – allen voran die Hauptstadt Las Palmas de Gran Canaria – bietet städtisches Leben mit echtem spanischen Flair. Las Palmas hat rund 380.000 Einwohner, eine lebendige Altstadt (Vegueta), eine Uniklinik, gute Einkaufsmöglichkeiten und einen der schönsten Stadtstrände Europas: die Playa de las Canteras. Las Palmas ist die Hauptstadt von Gran Canaria und liegt im Norden der Insel. Das Wetter ist hier das ganze Jahr angenehm warm und mild mit durchschnittlichen Temperaturen zwischen 19 und 22 Grad. Die Mieten sind im Norden günstiger als im Süden.
Für Rentnerinnen und Rentner, die dauerhaft auswandern und ein echtes Leben abseits der Hotelbars führen wollen, empfehlen die meisten Auswanderer entweder Las Palmas oder die günstigeren Gemeinden im Osten der Insel wie Telde, Agüimes oder Vecindario.
Was spricht gegen den Schritt?
Ein faktenbasierter Artikel wäre unvollständig ohne die Schattenseiten. Gran Canaria ist nicht für jeden das Paradies.
Sprachbarriere: Spanisch ist die Amtssprache. Im touristischen Süden kommt man mit Englisch gut zurecht, aber wer dauerhaft im Land lebt und Behörden, Ärzte und Vermieter auf sich allein gestellt navigieren will, braucht zumindest Basiskenntnisse.
Isolation: Besonders für Menschen ohne vorhandenes Netzwerk vor Ort kann die Anfangszeit einsam sein. Die Entfernung zu Freunden und Familie in Deutschland ist nicht nur räumlich.
Steigende Mieten: Die Mietpreise auf den Kanarischen Inseln sind zuletzt um 4,4 Prozent gestiegen und haben neue Rekordwerte erreicht. Wer heute billig einsteigt, sollte die weitere Preisentwicklung im Blick behalten.
Bürokratie: Die spanische Verwaltung ist langsamer als die deutsche. Geduld ist eine Tugend, die du mitbringen solltest.
Fazit: Ein Schritt, der sich rechnen kann – aber gut geplant sein muss
Freiburg ist wunderbar. Aber es ist teuer – und wird tendenziell teurer. Für Rentnerinnen und Rentner mit mittlerer Rente wird das Leben in der Breisgau-Metropole zunehmend zur Herausforderung.
Gran Canaria bietet eine reale Alternative: ganzjährig warmes Klima, niedrigere Mietpreise vor allem abseits der Touristenzentren, günstigere Lebensmittelpreise, keine Heizkosten – und die volle deutsche Rente wird zuverlässig auf ein spanisches Konto überwiesen. Als EU-Mitglied ist Spanien kein Sprung ins Unbekannte, sondern ein Umzug innerhalb eines gemeinsamen Rechtsraums.
Die Entscheidung sollte gut vorbereitet sein: Informiere dich über die Formalitäten, kläre die steuerliche Situation mit einem Experten, und mach am besten zuerst einen längeren Aufenthalt auf der Insel, bevor du endgültig umziehst. Wer das tut, könnte feststellen: Der Ruhestand lässt sich bei 22 Grad und Meeresblick tatsächlich besser leben als gedacht.
Quellen: Deutsche Rentenversicherung (deutsche-rentenversicherung.de); Auswärtiges Amt / Deutsche Botschaft Madrid; ImmoScout24 Mietspiegel Freiburg (Q1/2026); Infos-GranCanaria.com; Numbeo (Lebenshaltungskosten-Datenbank); Klimatabelle.com Gran Canaria; Info-Canarias.com
