Am Landgericht Konstanz hat am Dienstag ein schwerwiegender Strafprozess begonnen. Ein Mann aus dem Hegau steht wegen des sexuellen Missbrauchs von vier Kindern vor Gericht – aufgedeckt durch internationale Zusammenarbeit.
Angeklagter soll Vertrauen der Familien ausgenutzt haben
Der 37-jährige Angeklagte lebte als Nachbar in unmittelbarer Nähe der betroffenen Familien. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft nutzte er genau dieses Vertrauen systematisch aus: Die Kinder wurden ihm regelmäßig anvertraut – auch über Nacht. Drei der vier Opfer sind Geschwister, ein weiteres Kind hielt sich häufig im selben Haushalt auf.
Die Taten sollen sich zwischen Sommer 2022 und Mai 2025 zugetragen haben, überwiegend in der Wohnung des Mannes in Orsingen-Nenzingen im Kreis Konstanz. Die betroffenen Kinder waren zum jeweiligen Tatzeitpunkt zwischen drei und dreizehn Jahren alt.
69 Fälle, darunter besonders schwere Übergriffe
Die Anklage umfasst zahlreiche Einzeltaten – darunter auch besonders schwere Fälle des sexuellen Missbrauchs. In einem Teil der Fälle soll der Angeklagte die Übergriffe fotografisch und filmisch dokumentiert haben. Diese Aufnahmen spielen im laufenden Ermittlungsverfahren eine zentrale Rolle. Über die genaue Anzahl der sichergestellten Dateien wurde bislang nichts bekannt.
Spur führt über den Atlantik: Hinweis aus den USA löst Ermittlungen aus
Dass der Fall überhaupt aufflog, ist internationaler Kooperation zu verdanken. Das amerikanische National Center for Missing and Exploited Children meldete verdächtige digitale Inhalte an deutsche Behörden. Der Hinweis gelangte zum Cybercrime-Zentrum der Generalstaatsanwaltschaft Karlsruhe, das daraufhin die Ermittlungen aufnahm.
Im Zuge der Durchsuchung der Wohnung des Mannes wurden mehrere elektronische Geräte sichergestellt. Der Beschuldigte wurde kurz darauf festgenommen und sitzt seit Ende Mai 2025 in Untersuchungshaft.
Urteil wird für Mitte Juni erwartet
Für den Prozess am Landgericht Konstanz sind insgesamt acht Verhandlungstage angesetzt. Neben Zeugenaussagen sollen auch Sachverständige zu Wort kommen – unter anderem eine Psychologin, die die Aussagen der Kinder fachlich einordnen wird. Ein Urteil wird nach aktuellem Stand für Mitte Juni 2026 erwartet.
