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Im Fall der Kassiererin, die mit Verwandten und Freunden den Möbelkonzern Ikea in Freiburg um einen sechsstelligen Betrag betrogen haben soll, wurden heute die Urteile gesprochen. Alle bis auf eines, dessen Verfahren abgekoppelt wurde. Der Hauptangeklagten, die als Kassiererin gerne einmal weggesehen haben soll und eine koordinierende Rolle eingenommen habe, konnte kein Urteil ausgesprochen werden, weil sie am Montag schlichtweg nicht bei Gericht erschienen ist. Trotz Ladung. Laut Anwalt sei sie beim Hausarzt und für Wochen krank. Die Angelegenheit habe ihr sehr zugesetzt.
Das Gericht trennte das Verfahren gegen die abwesende Hauptangeklagte ab und wird später mit ihr alleine weitermachen, die anderen Angeklagten (vom Mann über die Tochter bis hin zur Freundin und Bekannten) erhielten Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und vier Monaten und 2 Jahren. Die Angeklagten im Alter von 26 bis 46 nannten sich in einer WhatsApp-Gruppe selbst „Ikea Kartell“.
Wie im Prozess offenkundig wurde, hatte der Arbeitgeber – nachdem die Angeklagte in den Fokus geriet, selbst Privatdetektive auf die Mitarbeiterin angesetzt. Das Einrichtungshaus hatte bereits in 2021 Hinweise auf mögliche Straftaten bekommen. Die Taten ließen sich in den Fällen, in den über Onlineanzeigenportale verkauft worden war und noch WhatsApp-Nachrichten auslesbar waren, für die Ermittler leicht nachvollziehen. In der WhatsApp-Gruppe hieß es auch z.B. „nimm, so viel du tragen kannst“. Mit Screenshots aus dem Ikea-Katalog wurde „auf Bestellung gestohlen“
Ob die Hauptangeklagte nur „krank“ oder auch „prozessunfähig“ ist, wird die Zukunft zeigen. Dauerhaft glücklich scheint sie durch die Taten nicht geworden zu sein.
Kripo ermittelte 15 Tatbeteiligte und rund 130.000 Euro Schaden
Die Kripo hatte zum Schluss mehr als 150 Diebstahlshandlungen ermitteln können, bei 15 Tatbeteiligten und einem Schaden von 130.000 Euro. Dies betrifft nur die Fälle, die man im Zeitraum von Februar 2019 bis Januar 2023 ermitteln konnte. Möglich ist, dass es noch weit mehr Fälle seien. Es laufen noch Verfahren gegen Mitarbeiter der Logistikabteilung.
Die seit 2018 bei Ikea beschäftige Kassiererin hat von speziellen Möbeln über Lampen und Regale nahezu alles stehlen lassen. Besonders beliebt seien bestimmte Kommoden gewesen. Mal habe sie Komplizen ohne zu scannen an der Kasse vorbeigelassen, mal wurden Diebstahlssicherungen abgeklebt, mal wurden Barbelege anderer Kunden genutzt, um gezielt die dort enthaltenen Produkte später zu stehlen und dann wieder gegen Barerstattung zurückzugeben.
Strafanzeige einen Tag vor Heiligabend
Das Einrichtungshaus hatte Ende 2022, genau einen Tag vor Heiligabend, Strafanzeige erstattet. Bei anschließenden Durchsuchungen hätten die Einsatzkräfte nicht nur zahlreiche noch verpackte Ikea-Artikel gefunden und sichergestellt, sondern auch zahlreiche hochwertige Ikea-Möbel im Haus gefunden, für die teilweise kein Kaufnachweis vorgelegt werden konnte.
Urteile noch nicht rechtskräftig
Auch wenn die Urteile heute nach einem Verständigungsgespräch zustandegekommen sind, sind sie noch nicht rechtskräftig.
Symbolbild: cc0 pixabay
