Freiburg führt aber nicht bei E-Autos
Neue Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes zeigen: In Freiburg fahren weniger Menschen einen Benziner als irgendwo sonst in Baden-Württemberg. Was steckt dahinter?
Wer durch Freiburg radelt – und das tun hier viele –, dem fällt es vielleicht gar nicht auf. Aber eine frisch veröffentlichte Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes macht es jetzt schwarz auf weiß: Freiburg hat mit 223 Benzinern pro 1.000 Einwohnern die niedrigste Benziner-Dichte im gesamten Bundesland Baden-Württemberg. Zum Vergleich: Im Enzkreis, dem absoluten Spitzenreiter, kommen auf dieselbe Einwohnerzahl satte 428 Benzinfahrzeuge. Das ist fast doppelt so viel.
Städte fahren anders – und Freiburg erst recht
Das Muster ist nicht überraschend: In Städten besitzen grundsätzlich weniger Menschen ein Auto. Wer in einer dichten Stadt mit gut ausgebautem ÖPNV, Straßenbahn und Radnetz lebt, braucht schlicht keinen eigenen Pkw. Freiburg, Heidelberg und Stuttgart haben dementsprechend nicht nur die wenigsten Benziner, sondern auch generell die niedrigsten Fahrzeugdichten bei Privat-Pkw im ganzen Land.
Doch Freiburg sticht selbst im Städtevergleich heraus. Heidelberg folgt erst mit 228 Benzinern pro 1.000 Einwohnern auf Platz zwei, Karlsruhe liegt mit 261 schon deutlich dahinter. Die Breisgau-Metropole ist also auch unter den Städten ein Ausreißer – nach unten, im positiven Sinne.
Was das mit dem hohen Spritpreis zu tun hat
Die Statistik erscheint zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt: Diesel ist derzeit besonders teuer, und in Baden-Württemberg fällt der Unterschied zum Bundesdurchschnitt teils noch deutlicher aus. Besonders hart trifft das ländliche Regionen mit hoher Dieseldichte – allen voran den Hohenlohekreis mit 269 Dieselfahrzeugen pro 1.000 Einwohnern, dem landesweiten Spitzenreiter. Wer dort kein Auto hat oder auf ein alternatives Antriebskonzept setzt, spart gerade erheblich.
In Freiburg dagegen ist der Anteil der Menschen, die von steigenden Spritpreisen direkt betroffen sind, schlicht geringer – nicht unbedingt, weil die Freiburgerinnen und Freiburger besonders weitsichtig eingekauft haben, sondern weil viele von ihnen gar kein Auto besitzen.
Elektroautos? Noch Luft nach oben
Einen Spitzenplatz bei den Elektrofahrzeugen belegt Freiburg übrigens nicht. Die höchste E-Auto-Dichte findet sich laut Statistik in Böblingen (47 pro 1.000 Einwohner) und dem Hohenlohekreis (44). Das zeigt: Wenig Verbrenner bedeutet in Freiburg vor allem wenig Auto insgesamt – nicht unbedingt viel Elektromobilität.
Das mag für Elektroauto-Hersteller ernüchternd klingen. Für eine lebenswerte, klimafreundliche Stadt ist es aber vielleicht das bessere Konzept: nicht das richtige Auto fahren, sondern gar keins.
Fazit: Freiburg bleibt Freiburg
Die Zahlen bestätigen, was viele ohnehin ahnen: Freiburg tickt anders. Die Kombination aus kompakter Stadtstruktur, starkem Radwegenetz, gutem ÖPNV und einer Bevölkerung, die Nachhaltigkeit zumindest beim Mobilitätsverhalten ernster nimmt als anderswo, macht die Stadt zu einem echten Ausreißer in der Verbrenner-Statistik.
Schlusslicht beim Benziner-Besitz – das klingt nach einem Makel. In Wirklichkeit ist es eine Auszeichnung.
Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt, Fahrzeugbestand zu Jahresbeginn 2026 (veröffentlicht April 2026)
