So betrog Kassiererin ihren Arbeitgeber
Seit Montag steht eine 50-jährige ehemalige Ikea-Mitarbeiterin vor dem Amtsgericht Freiburg. Der Vorwurf: schwerer Bandendiebstahl über vier Jahre hinweg – mit einer erschreckend simplen, aber wirkungsvollen Methode.
Es ist ein Fall, der zeigt, wie viel Schaden aus dem Missbrauch einer simplen Vertrauensposition entstehen kann. Seit Montag stehen sieben deutsche Staatsangehörige im Alter zwischen 23 und 50 Jahren vor dem Freiburger Amtsgericht. Ihnen wird unter anderem schwerer Bandendiebstahl in zahlreichen Fällen im Ikea-Einrichtungshaus in Freiburg vorgeworfen.
Die Masche: Einfach, dreist – und jahrelang unbemerkt
Hauptangeklagte ist ehemalige (deutsche) Kassiererin (50), der die Staatsanwaltschaft schweren Bandendiebstahl vorwirft. Sie soll über einen Zeitraum von vier Jahren – von Februar 2019 bis Januar 2023 – systematisch Waren im Wert von rund 130.000 Euro unterschlagen haben.
Die Masche war ebenso simpel wie dreist: In insgesamt 218 Fällen soll die Kassiererin Verwandte, Freunde und Bekannte mit Ikea-Artikeln an ihrer Kasse vorbeigelassen haben, ohne die Waren zu scannen oder zu kassieren. Einscannen, bonieren, abrechnen – Fehlanzeige.
Dabei blieb es jedoch nicht. Zusätzlich behielt die 50-Jährige offenbar auch Kassenbons regulär zahlender Kunden zurück und lud ihre Mitangeklagten ein, die entsprechenden Waren zu stehlen. Mit den Bons konnten sich die Komplizen anschließend den Kaufpreis erstatten lassen – eine doppelte Betrugsmasche: einmal beim Kauf, einmal bei der Rückgabe.
Besonders pikant: Die Kommunikation lief über WhatsApp. Einer der Mitangeklagten schilderte vor Gericht: „Wir durften bei S. an der Kasse vorbei, ohne zu zahlen. Das wurde zur Routine.“ Er habe nicht nur für sich selbst gestohlen, sondern auch auf Bestellung: „S. hat mir per WhatsApp Bilder geschickt, welche Möbel sie gerne hätte.“
Familie profitierte mit – Diebesgut landete bei eBay
Auch der Ehemann der Kassiererin (46) und ihre Tochter (28) sollen von den Taten profitiert haben. Den Großteil des Diebesguts behielten die Angeklagten demnach für sich oder verkauften es zu günstigeren Preisen an nichtsahnende Dritte weiter – unter anderem über das Online-Portale wie ebay oder Kleinanzeigen.de
Insgesamt müssen sich drei Frauen und drei Männer vor dem Schöffengericht des Freiburger Amtsgerichts wegen schweren Bandendiebstahls und gewerbsmäßiger Hehlerei verantworten. Zuständiger Staatsanwalt ist Dominik Stahl.
Auffliegen durch Inventur – und einen neugierigen Nachbarn
Vier Jahre lang lief das System unbemerkt. Aufgeflogen ist die Masche schließlich auf zwei Wegen gleichzeitig: durch Unstimmigkeiten bei einer Inventur im Freiburger Ikea-Einrichtungshaus sowie durch einen misstrauischen Nachbarn, der bemerkte, dass bei der Tochter der Hauptangeklagten ständig neue Ikea-Pakete geliefert wurden.
Geständnis angekündigt – Richter stellt maximal drei Jahre in Aussicht
Schon am ersten Prozesstag kündigte die ehemalige Ikea-Kassiererin an, ein Geständnis ablegen zu wollen. Der Richter stellte dafür eine maximale Freiheitsstrafe von drei Jahren in Aussicht, die dann aber nicht zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Kurz darauf brach die Angeklagte in Tränen aus und konnte vorerst keine weiteren Aussagen machen.
Auch die Mitangeklagten zeigten sich geständig. Während der Hauptangeklagten eine Haftstrafe droht, sollen die übrigen Beteiligten voraussichtlich mit Bewährungsstrafen rechnen können. Das Verfahren wird in den kommenden Tagen fortgesetzt.
