Mannheim überholt Freiburg
Es war ein zweifelhafter Rekord, den Freiburg im Breisgau jahrelang gehalten hat – und den die Stadt nun endlich los ist: Mannheim hat Freiburg als Stadt mit der höchsten Kriminalitätsrate in Baden-Württemberg abgelöst. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht des Innenministeriums hervor.
Die nackten Zahlen
Umgerechnet 9.498 Straftaten pro 100.000 Einwohner wurden in Mannheim erfasst – mehr als doppelt so viele wie im landesweiten Durchschnitt. Freiburg landet mit 9.263 erfassten Straftaten pro 100.000 Einwohner nun auf Platz zwei im landesweiten Vergleich.
Für Freiburg ist das durchaus eine gute Nachricht: In der 240.000-Einwohner-Stadt wurden im vergangenen Jahr insgesamt rund 5,9 Prozent weniger Straftaten registriert als noch im Vorjahr. Die am häufigsten erfasste Straftat in Freiburg war der Fahrraddiebstahl mit 2.704 Fällen. Besonders positiv: Das Erschleichen von Leistungen – also etwa Schwarzfahren – ging auf 916 erfasste Straftaten zurück, ein Minus von 37,9 Prozent. Auch Körperverletzungsdelikte und Ladendiebstähle gingen zurück.
Warum ist Mannheim so kriminell?
In Mannheim wurden im vergangenen Jahr insgesamt 30.207 Straftaten registriert – ein Rückgang um rund 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die häufigste Straftat? Schwarzfahren: Das Erschleichen von Leistungen machte 3.073 Fälle aus – also rund jede zehnte registrierte Straftat.
Die Polizei nennt mehrere Gründe für die hohe Kriminalitätsbelastung. Zum einen spiele die geografische Lage im Dreiländereck Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg eine wichtige Rolle, zum anderen sei Mannheim als Verkehrsknotenpunkt an den Autobahnen 5 und 6 besonders für bundesweit tätige Einbrecherbanden attraktiv.
Hinzu kommt der soziale Faktor: Die Armutsquote in der Region Rhein-Neckar war 2024 mit 15,2 Prozent die höchste in Baden-Württemberg. In manchen Stadtteilen lebten zuletzt mehr als 40 Prozent der Kinder in Armut.
Der Hauptbahnhof als Kriminalitätsbrennpunkt
Ein besonderer Hotspot ist der Mannheimer Hauptbahnhof. Er ist der höchstfrequentierte Bahnknoten in Baden-Württemberg – was ihn mit der hohen Zahl an täglich verkehrenden Personen leider auch zu einem Kriminalitätsbrennpunkt macht. Allein im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei in Mannheim wurden im vergangenen Jahr 2.937 Straftaten registriert.
Was tut Mannheim dagegen?
Die Stadtverwaltung setzt unter anderem auf einen seit 2018 bestehenden KI-basierten „Intelligenten Videoschutz“ zur Überwachung öffentlicher Räume. Außerdem führte Mannheim Ende 2023 eine Waffen- und Messerverbotszone in Teilen der Innenstadt ein.
Und wie sicher fühlen sich die Mannheimer selbst? Bei der Sicherheitsbefragung 2024 gaben fast 80 Prozent der Befragten an, sich in ihrem Stadtteil sehr sicher oder ziemlich sicher zu fühlen.
Fazit
Für Freiburg ist der Platzwechsel ein kleines Aufatmen – auch wenn die Stadt nach wie vor auf einem unrühmlichen zweiten Platz liegt. Die sinkenden Fallzahlen zeigen zumindest, dass sich die Sicherheitslage in der Breisgau-Metropole verbessert. Ob das an tatsächlich weniger Straftaten liegt oder schlicht an weniger Kontrollen, bleibt allerdings offen – darauf wies auch die Freiburger Polizei ausdrücklich hin.
