Noch nie war das Ende so nah – kann Crowdfunding helfen?
Kaum ein Ort in Freiburg ist so eng mit der alternativen Szene der Stadt verwachsen wie der CRASH Musikkeller in der Schnewlinstraße 7. Seit fast vier Jahrzehnten ist er Heimat für Punks, Waver, Gothics, Indie-Fans und alle, die mit kommerziellem Mainstream-Clubbing nichts anfangen können. Doch die Geschichte des CRASH ist auch eine Geschichte des ständigen Kampfes ums Überleben.
Die Wurzeln: Feuer, Besetzung und ein Keller als Neuanfang
Die Geschichte des CRASH beginnt mit einer Katastrophe. Am 22. Januar 1985 brennt das bis dahin besetzte Autonome Zentrum im Glacisweg in Freiburg ab. Die Brandursache wird nie aufgeklärt und bietet Anlass zu heftigen Spekulationen. Mit dem Feuer verliert die Freiburger Hausbesetzerszene ihr wichtigstes Zentrum.
Die Stadt reagiert mit einem ungewöhnlichen Schritt: Einer erneuten Besetzung vorgreifend, bietet die Stadt den Schnewlinkeller als Ersatzobjekt an. Er wird nur von einem Teil der Szene angenommen, leitet aber dennoch das Ende der großen Freiburger Hausbesetzerszene ein. Ab Juni 1985 dient er mehreren Gruppierungen als Treff und Veranstaltungsort. In Eigenarbeit werden mehrere Räume ausgebaut.
Das Experiment verläuft zunächst holprig. Nach einer Razzia im März 1987 wird das Gebäude durch die Polizei geschlossen. Doch die Stadt hält an ihrem Projekt fest und sucht neue Betreiber. Der damalige Betreiber des benachbarten Drifter’s Club, Bobby Williams, gilt kurzzeitig als Favorit – doch im Mai kommt die Entscheidung über Nacht: Held und Bührle werden die neuen Betreiber. Ruhe kehrt ein, die Bewerber bewähren sich.
Was das CRASH ausmacht: Subkultur gegen den Mainstream
Der CRASH Musikkeller in Freiburg ist eine bekannte, authentische Szenedisco für Subkultur, Konzerte und Partys. Er hat sich der handgemachten Musik verschrieben und protestiert mit seinen Events gegen die Eintönigkeit des von House, Charts und Minimal bestimmten kommerziellen Nachtlebens.
Das musikalische Programm umfasst Wave, Punk, Rock, Indie, Metal und Hardcore. Besonders beliebt ist der wöchentliche Wave-Abend. Abwechselnd legen die Crash-Residents Nick, Bruno und Johanna Gothic, NDW, Wave, aber auch Synth- und Futurepop sowie Klassiker von Bands wie Fehlfarben und Depeche Mode auf.
Das CRASH besticht durch sein alternatives Flair und seine Einzigartigkeit – und das auf einem beachtlichen Gelände: Auf dem über 1.500 Quadratmeter großen Grundstück im Herzen der Stadt befindet sich der historische CRASH Musikkeller, in dem Konzerte und Veranstaltungen stattfinden.
Der Kampf mit der IHK: Fast das Ende
Das bislang größte Kapitel in der Bedrohungsgeschichte des CRASH schreibt sich ab etwa 2016/2017. Die Stadtverwaltung will die Grundstücke in der Schnewlinstraße an die IHK Südlicher Oberrhein verkaufen – für rund 1,3 Millionen Euro. Damit wären der CRASH und sein Nachbar, der Drifter’s Club, mittelfristig dem Abriss geweiht.
Die Situation eskaliert auch kommunikativ. Kurios: Die IHK behauptet, die Betreiber des CRASH hätten gegenüber der Stadtverwaltung erklärt, 2019 aufhören zu wollen. Die Betreiber Holger Bührle und Mario Held sagen im Gespräch das glatte Gegenteil. Über einen Verkauf sei nie mit ihnen gesprochen worden. Die Behauptung, sie würden aufhören wollen, sei „komplett an den Haaren herbeigezogen und entbehrt jedweder Grundlage“, so Held.
Die Empörung in der Freiburger Kulturszene ist groß. Der Protest zeigt Wirkung: Jahrelang wird in Freiburg darüber gestritten, ob der Subkultur-Tempel CRASH der Industrie- und Handelskammer weichen muss. Ende 2019 steht fest: Die IHK bebaut den eigenen Innenhof – und das CRASH darf bleiben.
Corona, Schulden und Insolvenz: Die aktuelle Krise
Was der Streit mit der IHK nicht schaffte, schafft die Pandemie fast. Der Betreiber des CRASH hat Insolvenz angemeldet. Grund sei vor allem ein seit der Corona-Krise angehäufter Schuldenberg. Der soll unter Aufsicht abgebaut werden.
Das CRASH ist seit Ende der 80er Jahre eine feste Institution im Freiburger Nachtleben. Doch der insolvente Kult-Club ist geschlossen. Wegen Zahlungsrückständen sei der Strom abgestellt worden, sagt Betreiber Mario Held. Er hat eine Crowdfunding-Kampagne gestartet – benötigt werden 17.000 Euro. Auf einer Crowdfunding-Plattform will man 100.000 Euro sammeln und hat als Zwischenziel nun 13.000 Euro angegeben, – davon sind per Stand 19.4.2026 bereits 12.000 Euro zusammengekommen. Ob eine Finanzspritze zur Tilgung von Altschulden ein strukturelles Problem lösen kann, bleibt abzuwarten.
Seit 38 Jahren ist der Musikkeller CRASH an der Schnewlinstraße Teil der Freiburger Kulturlandschaft – und steht nun vor der vielleicht schwersten Bewährungsprobe seiner Geschichte.
Zwischen Nostalgie und Ungewissheit
Der CRASH ist mehr als ein Club. Er ist ein Stück Freiburger Identität, ein Ort, an dem Generationen von Jugendlichen zum ersten Mal ein Punkkonzert erlebt, zu Wave-Klängen getanzt oder einfach ihren Platz unter Gleichgesinnten gefunden haben. Das CRASH-Areal in der Schnewlinstraße 7 soll in den kommenden Jahren neu bebaut werden – die Pläne für eine Neugestaltung des Grundstücks nehmen die Betreiber zum Anlass für eine Rückschau in die Geschichte des Areals.
Ob das CRASH die aktuelle Insolvenz übersteht, ist derzeit offen. Die Crowdfunding-Kampagne zeigt aber: Die Freiburger Subkulturszene will ihren Keller nicht kampflos aufgeben. So wie 1985, als aus den Trümmern eines abgebrannten Autonomen Zentrums ein neuer Ort der Gegenkultur entstand, könnte auch diesmal ein Neuanfang gelingen – wenn die Community mitzieht.
Was sagt der Crash-Betreiber selbst dazu?
Wir zitieren:
Der Crash Musikkeller ist seit Jahrzehnten einer der wenigen Orte, an denen Punk, Metal, Hardcore und alternative Musik in dieser Stadt ein Zuhause haben. Ein Club für alle, die nicht in die stromlinienförmige Partylandschaft passen – und genau deshalb so wichtig.
Jetzt ist das Crash existenziell bedroht. Steigende Kosten, wirtschaftliche Einbrüche und fehlende Rücklagen haben den Laden an den Rand gebracht. Ohne Unterstützung von außen wird dieser Ort bald Geschichte sein.
Leider müssen wir den Club vorübergehend schließen.
Alle verbleibenden Veranstaltungen in diesem Monat müssen abgesagt werden.Diese Entscheidung fällt uns extrem schwer – aber sie ist notwendig, um überhaupt eine Chance zu haben, das Crash zu retten.
Wir starten deshalb eine Crowdfunding-Kampagne mit einem Ziel von 100.000 €.
Damit wollen wir die nächsten Monate überleben, laufende Kosten sichern und dem Crash eine reale Chance auf Zukunft geben.Wenn ihr findet, dass Freiburg Orte braucht, an denen es laut, unbequem und echt ist:
👉 Bitte unterstützt uns.
Spendet, teilt die Kampagne, erzählt eure Crash-Geschichten.
Jede Hilfe zählt.
Wer den CRASH unterstützen möchte, kann sich über die aktuellen Crowdfunding-Informationen auf der Website Gofundme.com infomieren. Die Webseiten Crash-Musikkeller und Crash-Freiburg wurden vom Netz genommen.
Foto: (c) BSF
