Ja, es gibt sie die 0-Euro-Scheine:
Stell dir vor, du wirfst zwei Euro in einen Automaten und bekommst dafür einen Geldschein im Wert von null Euro zurück. Klingt nach einem schlechten Deal? Weit gefehlt – denn genau das ist das Phänomen, das seit einigen Jahren Touristen, Numismatiker und Schnäppchenjäger gleichermaßen begeistert. Null-Euro-Scheine sind real, sie sind wunderschön gestaltet – und manche von ihnen sind heute ein kleines Vermögen wert.
Was ist ein Null-Euro-Schein überhaupt?
Ein Null-Euro-Schein ist ein offizielles Souvenir-Druckstück mit dem aufgedruckten Nennwert von 0 Euro. Er ist kein gültiges Zahlungsmittel – das schon allein wegen seines Nominalwerts –, sieht aber täuschend echt aus und fühlt sich genauso an wie ein echter Geldschein. Das violette Design erinnert stark an den 500-Euro-Schein, die Abmessungen von 135 mm × 74 mm entsprechen in etwa denen der 20-Euro-Banknote.
Die Idee stammt vom Franzosen Richard Faille, der das Konzept bereits ab 1996 entwickelte. Den großen Durchbruch erlebten die Scheine 2015 in Frankreich, bevor sie 2016 auch in Deutschland Einzug hielten. Inzwischen gibt es Hunderte verschiedener Motive aus zahlreichen europäischen Ländern.
Gedruckt dort, wo auch echtes Geld entsteht
Das vielleicht Erstaunlichste an den Null-Euro-Scheinen: Sie werden vom weltweit drittgrößten Banknotenhersteller, der französischen Wertpapierdruckerei Oberthur Technologies, auf Sicherheitspapier gedruckt. In denselben Werkshallen, in denen auch reguläre Euro-Banknoten in den Denominationen 10, 20, 50, 100 und 200 Euro entstehen, rollen also auch die kleinen Souvenirscheine vom Band.
Gedruckt werden die Nuller mitten unter echten Geldscheinen – in der französischen Wertpapierdruckerei Oberthur Fiduciaire SAS, die zu Oberthur Technologies gehört. Eine Verwechslungsgefahr im alltäglichen Zahlungsverkehr besteht dennoch nicht, denn einschlägige Testgeräte erkennen die Souvenirscheine nicht als authentische Zahlungsmittel.
Sicherheitsmerkmale wie beim echten Euro
Wer einen Null-Euro-Schein in die Hand nimmt, merkt sofort: Hier wurde nicht gespart. Jeder Schein enthält folgende Sicherheitsmerkmale:
- Wasserzeichen
- Kupferstreifen
- Simultouch
- Hologramm
- Durchsichtsregister
- Gelddruckerei-Sicherheitshintergrund
- fluoreszierend unsichtbare Tinte
- eine individuelle Seriennummer.
Die Seriennummer enthält eine Länderkennung, den Herausgebercode und Ausgabeort sowie eine fortlaufende Nummerierung. Diese insgesamt zehn Ziffern machen die Seriennummer zu einer Art „Personalausweis“ für die Null-Euro-Banknote. Zusätzlich sind auf den Scheinen Ausgabejahr und Motivnummer abgebildet, was die Einordnung in Sammlungen erheblich erleichtert.
Das Papier selbst wird – wie bei echtem Banknotenpapier üblich – auf Baumwollbasis hergestellt, was den typisch festen, leicht raschelnden Griff erklärt, den man von echten Geldscheinen kennt.
Limitierte Auflagen für Sammler und Touristen
Von Anfang an war der Null-Euro-Schein als Souvenir und Erinnerungsstück konzipiert, nicht als Zahlungsmittel. Museen, Zoos, Burgen, Städte, Sehenswürdigkeiten und kulturelle Einrichtungen lassen ihn drucken und verkaufen ihn in ihren Shops – oft für zwei bis sieben Euro das Stück.
Die Auflage eines Null-Euro-Scheins liegt oft nur bei 5.000 bis 10.000 Stück. Auch das schraubt den Sammlerwert nach oben. Je nach Motiv und Auftraggeber kann eine Auflage aber auch mal sechsstellig werden. Die Stadt Trier zum Beispiel schaffte es laut Berichten, satte 250.000 Exemplare ihres Scheins an die Frau oder den Mann zu bringen – was den Sammlerwert entsprechend drückt.
Privatpersonen oder Kommerz-Unternehmen können übrigens keine eigenen Null-Euro-Scheine ohne Weiteres in Auftrag geben. Das Konzept ist bewusst auf die Förderung des europäischen Kulturerbes ausgerichtet, sodass als Auftraggeber i.d.R. nur touristische und kulturelle Einrichtungen in Frage kommen.
Vom Souvenir zum begehrten Sammlerstück
Was als hübsches Urlaubsmitbringsel begann, hat sich inzwischen zu einem eigenständigen Sammelgebiet in der Numismatik entwickelt – und damit zu einem kleinen Markt mit echten Preisdynamiken.
Auf eBay sind Verkaufspreise von um die 100 Euro für manche Exemplare keine Seltenheit mehr. Rare und beliebte Motive werden für bis zu 1.500 Euro gehandelt. Besonders begehrt sind frühe Ausgaben, außergewöhnliche Motive und – für Sammler ein ganz besonderes Schmankerl – Fehldrucke.
Die Scheine HA 2018-4 aus dem Miniatur Wunderland Hamburg gelangten aufgrund eines simplen Buchstabens zu Ruhm und Ehre: Hier hieß es „MINIATURE“ statt „MINIATUR“. Rund 2.400 Exemplare des Scheins mit dem überflüssigen „E“ sollen in Umlauf gekommen sein und haben heute einen entsprechend höheren Wert.
Ähnliches gilt für besondere oder auffällige Seriennummern: Nummern mit vielen Nullen am Anfang oder rhythmischen Wiederholungen gelten als besonders sammelwürdig.
Fazit: Null Euro, aber nicht wertlos
Null-Euro-Scheine sind weit mehr als ein kurioses Urlaubsandenken. Sie sind hochwertig produzierte Druckstücke, die in einer der renommiertesten Banknotendruckereien Europas entstehen, mit echten Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sind und auf einem eigenständigen Sammlermarkt gehandelt werden – mit teils beachtlichen Preisen.
Ob als Erinnerung an einen Museumsbesuch, als Geschenk für Geldschein-Enthusiasten oder als clevere Geldanlage in Papierform: Der Null-Euro-Schein hat seinen festen Platz zwischen Postkarte und Sammlermünze gefunden. Und wer weiß – vielleicht liegt in deiner Schublade schon ein Schein, der heute deutlich mehr wert ist als die paar Euro, die du damals dafür bezahlt hast.

