Missbrauch nach dem Oktoberfest: Priester aus der Erzdiözese Freiburg steht vor Gericht
Ein katholischer Geistlicher aus dem Erzbistum Freiburg muss sich seit gestern vor dem Landgericht München I verantworten. Die Vorwürfe wiegen schwer – und das Erschreckendste daran: Er soll die Taten offenbar selbst eingeräumt haben.
Vor dem Landgericht München I hat am 27. März 2026 ein Prozess gegen einen katholischen Priester begonnen, der zwei Jugendliche nach einem Oktoberfest-Besuch missbraucht haben soll. Für die Erzdiözese Freiburg, die in den vergangenen Jahren bereits mit einer Reihe von Missbrauchsskandalen in die Schlagzeilen geraten ist, ist dieser Fall ein weiterer tiefer Schatten.
Was dem Angeklagten vorgeworfen wird
Laut Anklage lud der Geistliche aus der Erzdiözese Freiburg, der damals im Rahmen eines sogenannten Gestellungsvertrages als Pfarrer in der Gemeinde Todtmoos-Bernau tätig war, die Teenager im Jahr 2005 auf die Wiesn in München ein. Er kaufte ihnen viel Alkohol und verging sich danach in einem Hotelzimmer an den völlig betrunkenen und darum wehrlosen Jugendlichen.
Damit nicht genug: Er soll der Staatsanwaltschaft zufolge zwischen 1997 und 2008 im Pfarrheim seiner damaligen Gemeinde mit männlichen Teenagern im Alter zwischen 14 und 17 Jahren getrunken haben. Schon dabei soll er seine Opfer missbraucht und den Missbrauch fotografiert haben.
Der heute 58-Jährige ist wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen und widerstandsunfähigen Personen angeklagt. Zuletzt lebte er in einem Kloster in Oberbayern.
Hat er gestanden?
Vor Gericht hat der katholische Geistliche die Vorwürfe eingeräumt. Das ist ein bedeutsamer Punkt – nicht nur für den Prozess selbst, sondern auch für die Opfer, die jahrzehntelang auf eine Anerkennung ihrer Geschichte warten mussten.
Wie geht es weiter?
Das Landgericht München I hat vier Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Das Urteil könnte demnach am 1. April fallen.
Ein Problem, das größer ist als ein einzelner Fall
Dieser Prozess steht nicht für sich allein. Eine 2023 veröffentlichte Untersuchung zu sexualisierter Gewalt in der Erzdiözese Freiburg stellte bei den früheren Erzbischöfen Robert Zollitsch und Oskar Saier schweres Fehlverhalten und gravierende Rechtsverstöße im Umgang mit Straftaten durch Priester fest. Der Schutz der Institution Kirche und der Täter habe über allem gestanden.
Für Betroffene und Angehörige habe es keine Hilfen gegeben: Sie wurden allein gelassen. Diese Worte aus dem Missbrauchsbericht klingen bitter – gerade angesichts eines Falles, der sich über mehr als ein Jahrzehnt hingezogen hat, bevor er nun vor Gericht landet.
Der aktuelle Prozess in München ist damit mehr als ein Strafverfahren gegen einen einzelnen Mann. Er ist eine weitere schmerzliche Erinnerung daran, wie systematisch das Leid der Opfer in der Kirche über Jahrzehnte hinweg ignoriert wurde.
