An der Uni Freiburg wurde in einer Metaanalyse basierend auf 117.000 Patienten bewiesen, was lange nur vermutet wurde: Wer dick ist, hat ein erheblich höheres Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.
Darmkrebs mit 40? Warum Übergewicht das Risiko dramatisch erhöht
Eigentlich gilt Darmkrebs als Erkrankung älterer Menschen. Doch Ärzte beobachten seit Jahren einen beunruhigenden Trend: Immer häufiger erkranken Menschen unter 50 Jahren – also in einem Alter, in dem die meisten noch gar nicht an Darmkrebs denken. Ein Forscherteam des Universitätsklinikums Freiburg hat jetzt untersucht, warum das so ist – und kommt zu einem klaren Ergebnis.
Die Studie in Kürze
Wissenschaftler des Uniklinikums Freiburg haben Daten aus internationalen Studien mit über 117.000 Patienten ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Metaanalyse wurden Ende Januar 2026 im renommierten European Journal of Epidemiology veröffentlicht. Das Fazit ist eindeutig: Stoffwechselerkrankungen – allen voran starkes Übergewicht – erhöhen das Risiko, schon vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs zu erkranken, ganz erheblich.
Das Hauptergebnis: Übergewicht ist ein ernstzunehmender Risikofaktor
Menschen mit Adipositas – also krankhaftem Übergewicht – haben ein rund 45 Prozent höheres Risiko, noch vor ihrem 50. Geburtstag an Darmkrebs zu erkranken. Besonders brisant: Übergewicht in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter scheint laut mehreren Studien besonders folgenreich zu sein. Wer also schon jung zu viele Kilos auf die Waage bringt, erhöht sein persönliches Darmkrebsrisiko für die Jahrzehnte danach.
Auch Diabetes und Blutfette spielen eine Rolle
Neben Übergewicht haben die Forscher noch weitere Zusammenhänge gefunden:
- Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko vor allem bei Männern zwischen 20 und 49 Jahren. In einigen Fällen war ihr Darmkrebsrisiko so hoch, wie es normalerweise erst bei über 50-Jährigen beobachtet wird.
- Erhöhte Blutfette und Bluthochdruck scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen – insbesondere dann, wenn beide Erkrankungen gleichzeitig auftreten.
Was die Experten sagen
Studienleiter PD Dr. Gabriel Seifert, Oberarzt und Leiter des Darmkrebszentrums am Uniklinikum Freiburg, betont: Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas und Diabetes könnten den Anstieg von Darmkrebs bei jüngeren Menschen direkt antreiben. Die frühzeitige Behandlung solcher Erkrankungen sollte deshalb auch aus Krebsvorsorge-Sicht ernst genommen werden – nicht erst, wenn andere Beschwerden auftreten.
Was das für uns alle bedeutet
Die Botschaft der Studie ist klar: Darmkrebs ist keine reine Alterserscheinung mehr. Wer übergewichtig ist, an Diabetes leidet oder erhöhte Blutfettwerte hat, sollte das Thema Darmkrebs-Vorsorge nicht auf die lange Bank schieben – auch wenn man noch weit von der 50 entfernt ist.
Die gute Nachricht: Gerade beim Darmkrebs gibt es eine sehr effektive Vorsorgemöglichkeit. Bei einer Darmspiegelung können Vorstufen von Krebs entdeckt und direkt entfernt werden – bevor überhaupt ein Tumor entsteht. Wer also zu einer der genannten Risikogruppen gehört, sollte das Gespräch mit seinem Arzt suchen und Früherkennungsuntersuchungen aktiv einfordern.

Die Originalstudie „Early-onset colorectal cancer is associated with metabolic disorders: a systematic review and meta-analysis“ ist auf PubMed abrufbar.
Symbolbilder: KI
