Mit einem Gesamthaushalt von 681 Millionen Euro im Jahr 2026 zählt das Erzbistum Freiburg zu den größten katholischen Diözesen Deutschlands. Doch wohin fließt das Geld der Kirchenmitglieder konkret?
Die Zahlen sind beeindruckend: Über eine halbe Milliarde Euro – genau 521 Millionen – sollen 2026 allein aus Kirchensteuern in die Kassen der Erzdiözese Freiburg fließen. Damit verfügt die Diözese mit ihren rund 1,55 Millionen Katholikinnen und Katholiken über erhebliche finanzielle Mittel. Doch im Gegensatz zu einem Wirtschaftsunternehmen geht es der Kirche nicht um Gewinnmaximierung, sondern um die Erfüllung ihres seelsorglichen und gesellschaftlichen Auftrags.
Die größten Ausgabenposten im Überblick: Mehr Verwalter als Seelsorger
Der mit Abstand größte Einzelposten im kirchlichen Haushalt sind die Personalkosten: Rund 200 Millionen Euro fließen in Gehälter, Sozialabgaben und Altersvorsorge für etwa 3.800 Beschäftigte. Darunter befinden sich 1.100 Seelsorgerinnen und Seelsorger, 740 Pädagoginnen und Pädagogen, 1.500 Verwaltungsmitarbeitende sowie 460 weitere Angestellte.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei den Pfarreien vor Ort: Etwa die Hälfte des Gesamtbudgets wird an die jetzt nur noch 36 Pfarreien der Diözese weitergeleitet, die eigenständig über die Verwendung der Mittel entscheiden. Damit bleibt ein erheblicher Teil der Kirchensteuergelder in der Region und kommt direkt der kirchlichen Arbeit vor Ort zugute.
Investitionen in Bildung, Soziales und Klimaschutz
Bemerkenswert sind die Investitionen in verschiedene gesellschaftliche Bereiche:
- Bildung: 21 Millionen Euro für katholische Schulen, 13,4 Millionen für kirchliche Bildungshäuser und 3 Millionen für die Katholische Hochschule
- Soziales: 9,5 Millionen für den Diözesancaritasverband und 1,6 Millionen für Flüchtlingshilfe
- Klimaschutz: 7,7 Millionen Euro fließen in den Klimaschutzfonds, mit dem die Diözese bis 2030 rechnerisch klimaneutral wirtschaften will – etwa durch energieeffiziente Sanierungen und den Ausbau von Photovoltaikanlagen
- Infrastruktur: Hohe Summen gehen aktuell in drei große Bauprojekte, darunter ein Studentenwohnheim-Komplex und ein Bildungscampus in Freiburg
Weitere Ausgaben betreffen IT-Systeme (8,9 Millionen), Medien und Kommunikation (2,4 Millionen) sowie die Grundsanierung der Katholischen Akademie.
Woher kommt das Geld?
In Baden-Württemberg zahlen Kirchenmitglieder acht Prozent ihrer Lohn- oder Einkommenssteuer als Kirchensteuer. Neben den 521 Millionen Euro aus Kirchensteuern (und etwa 30 Millionen aus Kapitalertragssteuern) erhält das Erzbistum zusätzlich 38 Millionen Euro Staatsleistungen, 10 Millionen Landeszuschüsse sowie Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung.
Die finanzielle Zukunft: Herausforderungen voraus
Trotz der aktuell noch stabilen Einnahmen sieht die Diözese erhebliche Herausforderungen auf sich zukommen. Zwei Entwicklungen bereiten den Finanzplanern Sorgen:
Dramatischer Mitgliederschwund: Noch vor zehn Jahren zählte das Erzbistum fast zwei Millionen Katholiken – heute sind es nur noch gut 1,5 Millionen. Bei durchschnittlich 25.000 Kirchenaustritten pro Jahr fehlen der Diözese künftig rund 11,2 Millionen Euro jährlich. Jeder einzelne Austritt bedeutet im Schnitt 450 Euro weniger Kirchensteuer.
Demografischer Wandel: In den kommenden Jahren gehen deutlich mehr Kirchenmitglieder in Rente, als junge Katholiken nachrücken. Da Rentnerinnen und Rentner in der Regel weniger Kirchensteuer zahlen als Berufstätige, dürfte dies die Einnahmen zusätzlich belasten.
Kein drastischer Sparkurs geplant
Trotz dieser Aussichten versichern die Verantwortlichen, dass kein radikaler Sparkurs bevorsteht. Das Erzbistum Freiburg habe durch vorausschauendes Wirtschaften in den vergangenen Jahrzehnten eine solide finanzielle Basis geschaffen. Im Gegensatz zu einigen anderen deutschen Bistümern seien insbesondere die Fonds zur Finanzierung der Altersbezüge kirchlicher Mitarbeiter gut ausfinanziert.
Der laufende Reformprozess „Kirchenentwicklung 2030“ zielt darauf ab, die schrumpfenden Ressourcen nachhaltig und strategisch einzusetzen. Annette Bernards, Leiterin der Kirchensteuervertretung, zeigt sich zuversichtlich: Die Kirche werde auch künftig vor Ort gestaltungsfähig bleiben. Die Wege für die Gemeindemitglieder werden allerdings weiter und das Angebot dünner.
Fazit: Die über 500 Millionen Euro Kirchensteuern fließen in ein breites Spektrum von Aufgaben – von der Seelsorge über Bildung und Soziales bis hin zu Klimaschutz und Denkmalpflege. Ob dieses Niveau angesichts sinkender Mitgliederzahlen langfristig zu halten ist, bleibt jedoch eine offene Frage.
