Freiburg – ein junges Bistum
Freiburg im Breisgau ist seit 1827 Bischofssitz und damit eines der jüngeren Bistümer in Deutschland. Während viele deutsche Bistümer mittelalterliche Wurzeln haben, entstand das Erzbistum Freiburg erst in der nachnapoleonischen Zeit als Folge tiefgreifender politischer und kirchlicher Umwälzungen.
Die Entstehungsgeschichte des Erzbistums
Die formelle Gründung erfolgte bereits 1821 durch die päpstliche Zirkumskriptionsbulle „Provida solersque“. Das Erzbistum entstand aus Teilen des aufgelösten Bistums Konstanz sowie Gebieten der vormaligen Bistümer Mainz, Straßburg, Worms, Speyer und Würzburg. Der Hintergrund war politisch motiviert: Nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress wollte das neu formierte Großherzogtum Baden seine Landes- und Bistumsgrenzen in Übereinstimmung bringen.
Die Wahl Freiburgs als Bischofssitz war kein Zufall. Die badische Regierung entschied sich bewusst gegen die protestantisch geprägte Landeshauptstadt Karlsruhe und für die katholische Stadt Freiburg. Das prächtige Freiburger Münster, zwischen 1200 und 1513 als Stadt- und Pfarrkirche erbaut, wurde 1827 zur Bischofskirche erhoben, behielt aber seinen traditionellen Charakter als Bürger- und Marktkirche.
Ein holpriger Start
Der Beginn war alles andere als einfach. Obwohl das Erzbistum 1821 gegründet wurde, dauerte es bis 1824, ehe mit Bernhard Boll der erste Erzbischof gewählt werden konnte. Der ursprünglich favorisierte Kandidat Ignaz von Wessenberg wurde vom Papst abgelehnt, was die Besetzung des Bischofsstuhls erheblich verzögerte. Erst am 21. Oktober 1827 wurde Boll schließlich konsekriert, womit Freiburg offiziell seinen Status als Bischofssitz erhielt.
Der Kulturkampf und seine Folgen
Eine der dramatischsten Perioden in der Geschichte des Erzbistums war der Badische Kulturkampf nach 1868. Nach dem Tod des dritten Erzbischofs Hermann von Vicari blieb der erzbischöfliche Stuhl 14 Jahre lang unbesetzt. Von 1868 bis 1881 fungierte Lothar von Kübel lediglich als Bistumsverweser, während sich Staat und Kirche erbitterte Auseinandersetzungen lieferten. Erst 1882 konnte mit Johann Baptist Orbin wieder ein regulärer Erzbischof ernannt werden.
Das Erzbistum heute
Heute ist das Erzbistum Freiburg mit rund 1,6 Millionen Katholiken eines der größten in Deutschland. Es erstreckt sich vom Bodensee und Hochrhein im Süden über den Schwarzwald und die Oberrheinische Tiefebene bis in den Odenwald und an den Main im Norden. Als Metropolit der Oberrheinischen Kirchenprovinz hat der Freiburger Erzbischof auch die Suffraganbistümer Mainz und Rottenburg-Stuttgart unter sich.
Freiburg ist damit seit fast 200 Jahren kirchliches Zentrum der Region und beherbergt mit dem Deutschen Caritasverband auch eine der wichtigsten katholischen Sozialeinrichtungen Deutschlands. Die Stadt, die 1897 die Gründungsstätte des Caritasverbandes durch Lorenz Werthmann wurde, festigte diese Bedeutung in den vergangenen zwei Jahrhunderten kontinuierlich.
Alle Erzbischöfe von Freiburg im Überblick
Seit der Gründung 1827 leiteten 16 Oberhirten das Erzbistum Freiburg:
1. Bernhard Boll OCist (1827-1836) Geboren am 7. Juni 1756 in Stuttgart, trat 1774 in die Zisterzienserabtei Salem ein. Nach der Auflösung des Klosters 1802 wurde er Priester im Bistum Konstanz. Am 21. Oktober 1827 konsekriert, starb er am 6. März 1836.
2. Ignaz Anton Demeter (1836-1842) Geboren am 1. August 1773 in Augsburg, wurde am 10. August 1796 zum Priester geweiht. Seine Amtszeit war von Konflikten mit dem Großherzogtum Baden und innerkirchlichen Querelen geprägt. Gestorben am 21. März 1842.
3. Hermann von Vicari (1842-1868) Geboren am 13. Mai 1773 in Aulendorf, wurde 1797 zum Priester geweiht und zunächst 1832 Weihbischof in Freiburg. Als Erzbischof erlebte er die Badische Revolution und weitere Konflikte mit dem Staat. Er starb hochbetagt im 95. Lebensjahr am 14. April 1868 im Amt.
Sedisvakanz mit Bistumsverweser Lothar von Kübel (1868-1881) Geboren am 22. April 1823 in Sinzheim, war ab 1867 Weihbischof und ab 1869 Apostolischer Administrator während des Kulturkampfes. Gestorben am 3. August 1881.
5. Johann Baptist Orbin (1882-1886) Geboren am 22. Juni 1806 in Bruchsal, beendete die lange Vakanzzeit und führte das Bistum in ruhigere Gewässer. Gestorben am 8. April 1886.
6. Johannes Christian Roos (1886-1896) Geboren am 28. April 1826 in Kamp, war zuvor Bischof von Limburg. Gestorben am 22. Oktober 1896.
7. Georg Ignaz Komp (1898) Geboren am 5. Juni 1828 in Hammelburg, war zuvor Bischof von Fulda. Sein Pontifikat war das kürzeste in der Geschichte des Erzbistums: Er starb am 11. Mai 1898 auf der Reise zu seiner Inthronisation.
8. Thomas Nörber (1898-1920) Geboren am 19. Dezember 1846 in Waldstetten, führte das Erzbistum durch die schwierige Zeit des Ersten Weltkriegs. Gestorben am 27. Juli 1920.
9. Karl Fritz (1920-1931) Geboren am 20. August 1864 in Adelhausen bei Rheinfelden, leitete das Bistum in der Weimarer Republik. Gestorben am 7. Dezember 1931.
10. Conrad Gröber (1932-1948) Geboren am 1. April 1872 in Meßkirch, war zuvor Bischof von Meißen. Nach anfänglichen Sympathien wurde er ab 1935 zum Gegner der Nazi-Diktatur. Seine Silvesterpredigten und Fastenhirtenbriefe zeugen von dieser Haltung. Gestorben am 14. Februar 1948.
11. Wendelin Rauch (1948-1954) Geboren am 30. August 1885 in Zell am Andelsbach, widmete sich dem materiellen und geistlichen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Gestorben am 7. April 1954.
12. Eugen Seiterich (1954-1958) Geboren am 9. Januar 1903 in Karlsruhe, war zuvor Weihbischof in Freiburg. Gestorben am 3. März 1958.
13. Hermann Schäufele (1958-1977) Geboren am 14. November 1906 in Stebbach, nahm als Konzilsvater am Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) teil. Gestorben am 26. Juni 1977.
14. Oskar Saier (1978-2002) Geboren am 12. August 1932 in Wagensteig, war zuvor Weihbischof in Freiburg. Er setzte wichtige Impulse zur Umsetzung der Konzilsbeschlüsse und trat 2002 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Gestorben am 3. Januar 2008.
15. Robert Zollitsch (2003-2013) Geboren am 9. August 1938 in Filipovo (Jugoslawien), war von 2008 bis 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er empfing 2011 Papst Benedikt XVI. bei dessen Deutschlandbesuch in Freiburg. Sein Amtsverzicht wurde 2013 angenommen.
16. Stephan Burger (seit 2014) Geboren am 29. April 1962 in Freiburg im Breisgau, ist der erste gebürtige Freiburger Erzbischof. Er wurde am 29. Juni 2014 geweiht und führt das Erzbistum durch die gegenwärtigen Herausforderungen von Kirchenentwicklung und Strukturreform.
Freiburg kann damit auf ca. 200 Jahre Geschichte als Bischofssitz zurückblicken – eine vergleichsweise kurze, aber ereignisreiche Zeitspanne, die von politischen Umbrüchen, kirchlichen Reformen und gesellschaftlichen Wandlungen geprägt war.
