Was hat es mit den Sternsingern auf sich?
Jedes Jahr im Januar ziehen sie von Haus zu Haus: Kinder in prächtigen Gewändern, mit Kronen auf dem Haupt und einem Stern vorneweg. Die Sternsinger sind aus der deutschen Tradition nicht wegzudenken – doch woher stammt dieser Brauch eigentlich?
Die biblische Grundlage
Die Wurzeln der Sternsinger-Tradition reichen zurück bis zur biblischen Erzählung von den Heiligen Drei Königen. Im Matthäus-Evangelium wird berichtet, wie Weise aus dem Morgenland einem Stern folgten, um das neugeborene Jesuskind in Bethlehem zu finden und ihm Geschenke zu bringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Aus diesen „Magiern“ oder „Weisen“ wurden im Laufe der Jahrhunderte die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar – eine Entwicklung, die bereits im 6. Jahrhundert einsetzte. Die Zahl Drei symbolisierte dabei die damals bekannten drei Erdteile Europa, Asien und Afrika.
Vom Mittelalter zur Neuzeit
Der eigentliche Brauch des Sternsingens entwickelte sich im Mittelalter. Zunächst waren es Kleriker und Studenten, die singend durch die Straßen zogen und dabei die Geschichte der Heiligen Drei Könige nachstellten. Diese frühen Sternsingerumzüge waren Teil der Dreikönigsspiele, die zu den ältesten geistlichen Schauspielen gehören.
Im 16. Jahrhundert verlagerte sich der Brauch zunehmend auf Kinder und Jugendliche. Aus den frommen Spielen wurde allmählich auch ein Bettelumzug, bei dem die Kinder für ihren Gesang mit Süßigkeiten, Geld oder anderen Gaben belohnt wurden. In manchen Regionen artete dies zeitweise aus, sodass die Obrigkeit den Brauch einzuschränken versuchte.
Die moderne Sternsinger-Aktion
Die heutige Form der Sternsinger-Aktion, wie wir sie kennen, geht auf das Jahr 1959 zurück. Damals rief das Kindermissionswerk in Deutschland erstmals zu einer organisierten Spendenaktion auf. Die Idee: Kinder sammeln für Kinder in Not – zunächst für notleidende Kinder in aller Welt, heute mit jährlich wechselnden Schwerpunktländern und Projekten.
Was als kleine Initiative begann, ist zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder geworden. Jährlich sind rund 300.000 Sternsinger in Deutschland unterwegs und sammeln Spenden für benachteiligte Kinder weltweit.
Der Segensspruch
Ein zentrales Element des Sternsingens ist der Haussegen, den die Kinder an die Türen schreiben: 20*C+M+B+26 (für das aktuelle Jahr). Viele glauben, die Buchstaben stünden für die Namen Caspar, Melchior und Balthasar. Tatsächlich sind sie jedoch die Abkürzung für den lateinischen Segensspruch „Christus Mansionem Benedicat“ – Christus segne dieses Haus.
Tradition trifft Moderne
Die Sternsinger verbinden auf einzigartige Weise alte Tradition mit modernem Engagement. Sie erinnern an die biblische Geschichte der Weisen aus dem Morgenland, bewahren jahrhundertealte Bräuche und setzen sich gleichzeitig aktiv für soziale Gerechtigkeit ein. So wird aus einem historischen Brauch gelebte Nächstenliebe – eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen hier und der Welt.
